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  • Der Staudenhof – Das Symbol für die Bauwende in Potsdam

    In einem offenen Brief haben heute hunderte Menschen und Organisationen aus Politik, Klimaforschung, Architektur, Wissenschaft und Kultur den Erhalt des Staudenhofs in Potsdam gefordert und damit zu einer Bauwende in der Stadt aufgerufen.
    Im Grunde hat sich hier fast die komplette Potsdamer Stadtgesellschaft zusammengetan mit namhaften Expert*innen für Stadtentwicklung und Kilmaschutz, Architektur und eine soziale Stadt.
    Es ist ein riesiger Erfolg der Aktivengruppe zur Rettung des Staudenhofs, dass sich hinter der Forderung, den Staudenhof zu erhalten und als Symbol für eine Bauwende in Potsdam sozial und ökologisch zu sanieren. Viele Menschen aus dem Netzwerk „Stadt für alle“ waren an diesem Prozess die letzten Monate beteiligt.

    Jetzt wird es spannend zu sehen, wie die Politik in Potsdam auf diesen offenen Brief reagiert. Immerhin stehen auch namhafte Vertreter*innen der Grünen unter dem Aufruf – während die Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung bisher immer für den Abriss und eine barocke Neubebauung stand. Die Frage ist vor allem: Wird es möglich sein, SPD und Grüne in Potsdam aus ihrer Blase zu holen, in der sie sich nun schon seit 32 Jahren immer wieder nur selbst bestätigen, dass 1990 irgendwann mal beschlossen wurde, eine „behutsame Wiederannäherung an das barocke Stadtbild“ zu erreichen – und dabei inzwischen alle aktuellen Erkenntnisse von Stadtplanung, Klimaschutz und Sozialpolitik ignorieren.

    www,staudenhof.info

    Wir dokumentieren:

    Offener Brief: Retten wir den Staudenhof – gemeinsam die Bauwende gestalten!

    Pressemitteilung des Aktivenkreises

    Pressemitteilung, 25.11.2022

    Breites Bündnis für Erhalt des Staudenhofs: klimafreundlicher und sozialverträglicher Umbau gefordert.
    Neue Perspektiven für den Staudenhof: Vertreter aus der Potsdamer Zivilgesellschaft haben
    gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Architektur einen Aufruf verfasst, der den Erhalt des historischen Gebäudekomplexes fordert. Ziel ist es, das Gebäude am Alten Markt 10 den sog. Staudenhof – zu einem klimafreundlichen und sozialverträglichen Modellprojekt umzubauen. Die Politik fordern sie auf, den geplanten Abriss des bewohnten und genutzten Gebäudes zu stoppen und sich stattdessen für eine umfassende Modernisierung zu entscheiden.

    Die Prämissen, die seinerzeit zu dem Abriss-Beschluss geführt hätten, seien angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise hinfällig, argumentiert die Initiative, zu der sich eine Gruppe von 40 Aktiven aus Potsdam zusammengeschlossen hat.
    „Der Energie- und Ressourcenverbrauch beim Neubau von Gebäuden ist gigantisch“, sagt der Potsdamer Architekt Philipp Jamme, der zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehört. „Allein die Produktion von Zement ist weltweit für acht Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Bau- und Abbruchabfälle machen außerdem mehr als die Hälfte des in Deutschland anfallenden Mülls aus. Das bisher übliche Abreißen und Neubauen von Gebäuden schadet deshalb massiv unserem Klima und passt einfach nicht mehr in die Zeit.“

    Dass funktionstüchtiger Gebäudebestand erhalten bleibt, statt durch klimaschädlichen Neubau mit historisierenden Fassaden ersetzt zu werden, ist deshalb erstes Ziel der überparteilichen Initiator:innen. Doch sie bringen weitere Argumente in die Debatte ein. „Das Gebäude Staudenhof ist ein qualitativ hochrangiger Beitrag zur Ostmoderne. Durch seinen Abriss würde ein herausragendes Gebäude ostdeutscher Zeitgeschichte zugunsten neu-barocker Nachbauten verschwinden“, sagt Prof. Stephanie Herold, Denkmalpflegerin an der TU Berlin. „Ein weiteres Stück Potsdamer Identität würde unwiederbringlich verloren gehen“.
    Zudem ziehe jeder Abriss von genutztem Wohnraum die Vertreibung langjähriger Bewohner und den
    Verlust von bezahlbarem Wohnraum nach sich, argumentiert die Initiative. Im Falle des Staudenhofs bedeute das den Verlust von 186 Wohneinheiten und die Vertreibung von über 230 Kindern und Erwachsenen aus der Innenstadt.

    Der Aufruf erfährt breite Unterstützung und hat bereits jetzt zahlreiche Unterzeichnende aus vielen Teilen der Bevölkerung gewonnen. Dazu gehören Personen aus der Zivilgesellschaft, Politiker:innen, Expert:innen, Wissenschaftler:innen und Kulturschaffende bis hin zu Institutionen, Kammern und Verbänden. Auch darüber hinaus befürworten immer mehr Potsdamer den Erhalt des Staudenhofs. So haben sich in einem aktuellen Bürgerbeteiligungsverfahren der Stadt Potsdam knapp 5.300 Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt und die Sanierung des Gebäudes am Staudenhof ausgesprochen.
    Susanne Wartzeck, Präsidentin des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten: „Wir schließen uns der Forderung an, die Diskussion um den Staudenhof unter den Zeichen der Klimakrise neu zu führen, das Gebäude zu erhalten und zu einem Modellprojekt der sozialen und nachhaltigen Stadtentwicklung umzubauen.“
    Andreas Rieger, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, begründet die Notwendigkeit einer Debatte zum Abriss des Staudenhof und dem Ersatzneubau mit der Frage, ob ein Neubau tatsächlich eine Verbesserung ist gegenüber einer Instandsetzung und Modernisierung des Staudenhofs:
    „Hinsichtlich des Klimaschutzes sicher nicht. Gibt es also noch andere Argumente, die für einen Abriss sprechen? Können wir in Europa als Hauptverursacher des Klimawandels mit diesen Argumenten noch den anerkannten Anforderungen
    an den Klima- und Ressourcenschutzes gerecht werden? Die derzeit realisierten Bauten am alten Markt lassen schlimmes befürchten. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung erweist sich als eine verpasste Chance für die Baukultur in Brandenburg.“

    Am 07.12.2022 wird im Rahmen der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung dieser Aufruf
    dem Oberbürgermeister offiziell übergeben

  • Es reicht, wir frieren und sind sauer!

    Wir dokumentieren: Pressemitteilung von Mieter*innen in der Zeppelinstraße

    Pressemitteilung: Steuerflucht-Vermieter lässt Mieter*innen seit 6 Wochen ohne Heizung und Warmwasser

    Es reicht, wir frieren und sind sauer!
    Seit 6 Wochen kein Warmwasser, keine Heizung und keine Besserung in Sicht!

    Wir sind Mieter*innen/eine Wohngemeinschaft bei der Briefkastengesellschaft BRANDENBURG REALTY PROPERTY 4 CÖOPERATIEF UA (1) in der Zeppelinstraße, Potsdam, und haben aufgrund des Totalausfalls einer uralten Gastherme seit 6 Wochen kein Warmwasser und keine Heizung mehr! D.h. seit Wochen Kaltduschen und mit mehreren Pullis in der Wohnung herumrennen. Mit sinkenden Außentemperaturen sinken auch kontinuierlich unsere Raumtemperaturen. Arbeiten am Schreibtisch ist nur noch auf kurze Dauer möglich. In einigen besonders kalten Zimmern deutet sich schon Schimmel an.

    Und die Hausverwaltung und der Vermieter? Unsere Hausverwaltung VISTA VENTURE AG (Sitz in Berlin, Tel.: 030 5267860) eiert schon seit Wochen herum – sehr wahrscheinlich im Auftrag unseres Vermieters, nicht „übereilt“ zu handeln und uns wohl langsam aus der Wohnung hinaus frieren zu lassen? Den Eindruck, dass der Vermieter uns nicht mehr in dieser Wohnung haben möchte, haben wir mittlerweile tatsächlich. Überall im Haus und in den Häusern nebenan, die auch im Besitz unseres Vermieters sind, werden die Wohnungen zu horrenden Preisen als Eigentumswohnungen verkauft (85 qm, Erdetage für mehr als 400.000 Euro z.B.). Klar, die Umwandlung ganzer Mietshäuser in Wohnungseigentümerschaften ist in Potsdam wohl noch legal, Dank der jahrelangen SPD-geführten Stadt- und Landespolitik. Wir sind einer der wenigen noch verbliebenen Mieter*innen – und das ist sicherlich lästig… Das Nichtstun in unserer Wohnung hat nun Folgen. Der Ausfall der Gastherme war mit Ansage. Die Hausverwaltung und der Vermieter wissen seit fast einem Jahr Bescheid, dass die Gastherme nicht mehr in Ordnung ist. Die von der Hausverwaltung beauftragte Firma hat uns schon am Anfang des Jahres bestätigt: Das alte Ding macht nicht mehr lange und kann eigentlich nur noch ausgetauscht werden.

    Wir sind sauer! Wir hätten uns schon längst selbst um eine Gastherme – oder besser um eine Anlage mit erneuerbaren Energien – gekümmert, wenn wir dem Vermieter nicht jeden Monat Miete hinterher werfen würden. So soll man das Konzept „Vermietung“ doch verstehen? – Also Miete gegen Service, die Wohnung instand zu halten? Ach nee, Vermietung dient wohl in erster Linie der Rendite und da sind jegliche Kosten unerwünscht. Schon in der Vergangenheit bewegte sich der Vermieter bei größeren Investitionen wie dem Austausch von ruinösen Fenstern nur, wenn wir ihn vor Gericht zogen. Auf eine Klage kann sich der Vermieter in dem jetzigen Fall wieder gefasst machen. Kriminelles Verhalten soll nicht ungeschoren davon kommen. Leider ist der kriminelle Umgang mit Mieterinnen eher verbreitetes Geschäftskonzept und oftmals von der Politik erlaubt. Briefkastengesellschaften, wie unser Vermieter mit Sitz im Steuerparadies Niederlande, sollten eigentlich verboten werden. Hinter unserem Vermieter steht ein undurchsichtiges Unternehmenskonstrukt, bei dem zahlreiche „Manager“ (die noch nicht mal die einfachsten Instandhaltungsmaßnahmen „managen“ können) die Hand aufhalten (1). Und am Ende steht der Haupteigentümer HOWARD PAUL SHORE – Multimillionär oder Milliardär, das wissen wir nicht genau. Aber was bekannt ist: Er ist zu allem Überfluss großer Unterstützer der neoliberalen Privatisierungspolitik der konservativen Partei, der Tories, Fan von Boris Johnson und Finanzier des Brexit. So machen sich die Reichen ihre Gesetze selbst und am Ende stehen frierende Mieterinnen wie wir. Und nicht nur wir leiden wohl darunter – ja auch das Klima. Denn warum haben wir eigentlich noch diese Gasthermen aus einem anderen Jahrhundert hier im Haus? Mit der vielen Miete der Hausbewohner*innen hätten wir schon längst das Haus in einen energetisch guten Zustand bringen können, mit Wärmepumpe und Solarthermie. Nun sind wir gezwungen, um eine neue Gastherme zu betteln, damit unsere Wohnung wieder wohnbar wird. Wie
    pervers in Zeiten des Klimawandels!

    Danke für Nichts, private Vermieter, werdet doch lieber Briefkastenverkäufer!

    (1)Infos zu dem Unternehmenskonstrukt und Steuerfluchtmodell unsereres Vermieters:
    http://potsdam-stadtfueralle.de/2020/06/20/von-potsdam-nach-panama-und-zurueck-2/

  • Wenn Solidarität konkret werden soll …

    … dann scheint in der Landeshauptstadt Bürokratie doch wichtiger zu sein.

    Wir dokumentieren: Pressemitteilung des Vereins INWOLE zur Wohnungssuche einer Aktivistin aus der Ukraine:

    PRESSEMITTEILUNG: Unverständnis über mangelnde Unterstützung bei Wohnraumversorgung für geflüchtete, ukrainische Familie

    Sehr geehrte Damen und Herren,


    Yuliia Kaliuzhna ist zusammen mit ihren beiden Kindern Mykyta (13 Jahre) und Alisa
    (4 Jahre) sowie Hund Fiztashka im März 2022 vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet. Über
    unseren Verein INWOLE e.V., der seit vielen Jahren vielfältige Projektkontakte nach
    Osteuropa pflegt, hat sie schnell Anschluss bei uns und in Potsdam gefunden.
    Mittlerweile arbeitet sie bei uns im Ukraine-Projekt als Koordinatorin zur Unterstützung für
    Geflüchtete aus der Ukraine. Sie organisiert u.a. Deutsch-Kurse, psychologische
    Hilfsangebote für Teenager und Kunstprojekte. Für viele Geflüchtete aus der Ukraine sind
    die Räume und Angebote im Verein INWOLE im Projekthaus Potsdam sehr wichtig für die
    Bewältigung ihrer Traumata, für Integration, Sprache und Kultur. Ohne die Ansprechperson
    und Koordinatorin Yuliia Kaliuzhna aber wäre das nicht möglich.
    Ihre beiden Kinder gehen seit Monaten in eine Potsdamer Kita bzw. Schule. Bisher war
    Yuliia privat untergebracht, aber mit der fortschreitenden kalten Jahreszeit wird diese
    provisorische Unterbringung zunehmend unzumutbar.
    Die alleinerziehende Mutter teilt sich mit ihren beiden Kindern und dem Hund EIN Zimmer.
    Für die gemeinschaftlich genutzten Sanitäranlagen sowie die Küche müssen sie über einen
    Hof gehen. Insofern ist ein eigener Wohnraum, der Sicherheit und Geborgenheit bietet die
    absolute Priorität.
    Wie viele andere Menschen in dieser Stadt auch sind wir seit Monaten intensiv auf der
    Suche nach geeignetem Wohnraum, haben Aufrufe veröffentlicht sowie unzählige Anfragen
    gestellt, die bisher allesamt negativ waren.

    Nun gab es endlich eine Zusage der Pro Potsdam/Gewoba für eine Wohnung im
    Humboldtring/ Zentrum Ost, die ab dem 01.11. bezugsfertig wäre. Die junge Familie war
    sofort begeistert und erlöst, endlich eine Zusage erhalten zu haben.
    Der nächste Schritt war die Vorlage des Wohnungsangebotes beim Bereich Soziale
    Wohnraumversorgung/ Wohnraumvermittlung
    der Landeshauptstadt Potsdam (LHP).
    Die Wohnung verfügte über eine Wohnfläche von 68,55m² und kostete 599,81 EUR zzgl.
    Vorauszahlung Betriebskosten i.H.v. 126,82 EUR. Die Bruttokaltmiete lag somit bei 726,63
    EUR. Die nach SGB II und SGB XII in der LHP zulässige Bruttokaltmiete liegt bei 613,60
    EUR, sodass das Angebot 113,03 EUR darüber lag und als „nicht angemessen“ abgelehnt
    wurde.
    Daraufhin haben wir ein Härtefallgesuch formuliert, um einen akuten Krisenfall zu
    verhindern. Wir haben darauf hingewiesen, dass es nahezu unmöglich ist, kurzfristig eine
    „angemessene“ Wohnung zu finden, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Kosten.
    Darüber hinaus haben wir deutlich gemacht, dass die aktuelle Unterbringung im Winter
    unzumutbar ist und die besondere Konstellation (alleinerziehend, 2 Kinder, Haustier) die
    Wohnungssuche zusätzlich erschwert.
    Wir haben zudem angeboten, die Differenz i.H.v. 113,03 EUR durch einen Bürgen
    abzusichern/ zu übernehmen.
    Unverständlicherweise war die Wohnungsvermittlung der LHP nicht gewillt, einer
    pragmatische Lösung zuzustimmen. Infolge der Ablehnung wurde die Wohnung mittlerweile
    anderweitig vergeben – Yuliia und ihre Kinder stehen wieder am Anfang.
    Wir fordern die Verwaltung und die Lokalpolitik auf, für Yuliia und alle anderen Betroffenen
    einfache und pragmatische Lösungen zuzulassen. Vielleicht trägt das sogar zur Entlastung
    der chronisch überlasteten Verwaltungsstrukturen bei, wenn Fälle erledigt und nicht immer
    weiter vor sich hergeschoben werden.


    Yuliia Kaliuzhna und wir brauchen jetzt eine echte Unterstützung bei der Wohnraumsuche
    anstatt ein bürokratisches Verzögern und Verhindern!

  • Retro – Stadtbilder und ihre Netzwerke in Berlin und Potsdam

    Seit Tagen ist der Skandal um die geplante Bebauung des Molkenmarktes in der Mitte Berlins in aller Munde. Ein Wettbewerb endete damit, dass niemand gewonnen hat. Zu mindestens in den Augen der Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt und des Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel.

    Damit wird gerade ein Streit, ein Konflikt öffentlich, der im Grunde seit vielen Jahren und immer mehr Städten in Deutschland ausgetragen wird – auch in Potsdam.

    Vordergründig geht es um Architektur. Wie und was bauen wir in unseren Innenstädten? Nach historischen Vorbildern, teuer und aufwendig mit privaten Investoren und entsprechend der jeweils bevorzugten politisch – kulturellen Tradition oder vielfältig, gegensätzlich, bezahlbar und entsprechend der jeweils notwendigen – auch sozialen, ökologischen Nutzung?

    Der Molkenmarkt in Berlin gilt als Ursprung der Stadt Berlin und war der älteste Markt in der Stadt.
    Die „Wiedergewinnung“ dieser Mitte gilt in Berlin als prägendes Projekt und ist dementsprechend seit vielen Jahren stark umstritten bei den verschiedenen Akteur*innen von Stadtpolitik, Stadtplanung und Architekt*innen – vergl.: https://molkenmarkt.berlin.de/
    Nach dem 2016 beschlossenen Bebauungsplan gab es ein städtebaulichen Qualifizierungsverfahren und einen Wettbewerb. Dabei wurden von zwei Architekturbüros wie erwartet zwei völlig gegensätzliche Entwürfe präsentiert. Einer stammt aus dem Architekturbüro des in diesem Jahr verstorbenen Bernd Albers – ein Name, den wir uns merken sollten. Er favorisiert eine historisierende Stadtentwicklung, verbunden mit der Privatisierung der Grundstücke.
    Bei dem anderen Entwurf sollten die Grundstücke beim Land Berlin bzw. landeseigenen Gesellschaften verbleiben, die dort vor allem eine Bebauung nach sozialen und ökologischen Kriterien umsetzen sollten.
    Im Grunde stecken dahinter auch zwei ganz unterschiedliche Konzepte von Stadtentwicklung, über die politisch, in der Fachwelt und Wissenschaft mal hinter den Kulissen, mal öffentlich seit Jahren heftig gestritten wird. Es geht um nichts geringeres als die Frage: Wem gehört die Stadt? Für wen bauen wir welche Stadt? Funktioniert eine Stadt für alle?

    Hier in der Nachbarstadt Potsdam sind die Debatten ähnlich, vielleicht sogar noch klarer und radikaler.

    Nach einem Uraltbeschluss der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 1990 soll in der Stadtmitte eine „Wiederannäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild“ gelingen.

    Seitdem wird dort aber komplett umgebaut, abgerissen und neu gebaut. Symbolisch steht dafür sicher die Fachhochschule aus DDR – Zeiten direkt neben der Nikolaikirche, um die ein erbitterter Kampf geführt wurde – und die allem Widerstand und Protest zum Trotz schließlich doch abgerissen wurde.
    Am Alten Markt, an der Alten Fahrt entsteht seitdem die neue, alte Mitte nach barockem Vorbild aus der Zeit der preußischen Könige. Und: um dies allen Leser*innen klar zu machen: Hier wird nichts saniert, hier werden keine „Wunden geheilt“ aus einer Zeit, als kein Geld in die Sanierung von Altstädten gesteckt wurde und dort alles dem Verfall preisgegeben war.
    Hier wurde abgerissen und komplett neu – und nach historischen Vorbild – gebaut: Das Stadtschloss, das Museum Barberini, die Häuser an Alten Fahrt – alles Kopien aus alter Zeit, neu gebaut mit Sandsteinimitaten.

    Aktuell werden die sogenannten „Blöcke“ am Alten Markt am Standort der ehemaligen Fachhochschule neu gebaut, für die letzten Lose zum Block IV laufen gerade die Ausschreibungsverfahren. Grundlage aller Ausschreibungen und Gestaltungsentwürfe ist das „Integrierte Leitbautenkonzept“ aus dem Jahr 2010. Dazu heißt es auf der Seite des Trägers: „Mit dem Leitbautenkonzept werden, orientiert am historischen Vorbild, die städtebauliche Struktur und die architektonische Anmutung des Quartiers wieder erlebbar. Stadtbildprägende Bauten (die Eckgebäude) sollen ihre historische Fassade („Leitfassade“) erhalten oder durch „architektonische Zitate“ einen Eindruck des einstigen Erscheinungsbildes vermitteln (besondere Gestaltungsleitlinien). Die weitere Bebauung soll in zeitgenössischer Architektursprache entstehen, sich aber den historischen Dimensionen anpassen.“ vergl.: https://www.potsdamermitte.de/

    Eine Potsdamer Besonderheit ist, dass mit der ProPotsdam eine kommunale Gesellschaft als Sanierungsträger eingesetzt ist, die mit dem Verkauf der einzelnen Grundstücke die Stadtmitte quasi privatisiert. Auf Grund des Widerstandes aus der Stadtgesellschaft vor allem gegen den Abriss der Fachhochschule wurde in den Ausschreibungen für die einzelnen Lose an bestimmten Standorten auch Angebote mit gefördertem und/oder mietpreisgebundenem Wohnraum priorisiert. Hier kamen auch Genossenschaften zum Zug – auf deren Probleme gehen wir unten noch einmal ein.

    Auch in Potsdam ist dies Teil einer grundsätzlichen Debatte. Zwischen den Konzepten eines barocken Wiederaufbaus der Mitte nach historischem Vorbild – umgesetzt von privaten Investoren und unterstützt von teuren Architektenbüros und der Idee einer vielfältigen Stadtmitte für alle mit unterschiedlichen architektonischen Geschichten, kulturellen Freiräumen und bezahlbaren Wohnungen liegen Welten.

    Aber: Was nur wenige wissen, viele der Protagonist*innen dieser Debatte in Berlin und Potsdam sind die Gleichen – zumindest auf der einen Seite.

    Petra Kahlfeldt, Bernd Albers, Benedikt Goebel und Tobias Nöfel – um nur vier der ganz wichtigen Akteure zu nennen – sind schon lange Teil eines großen Netzwerkes für eine sogenannte „Kritische Rekonstruktion“, eine historisierende Stadtentwicklung in Berlin, haben die aktuelle Entwicklung am Molkenmarkt entscheidend mit getragen und beeinflusst.
    Und gleichzeitig sind sie schon lange auch in Potsdam aktiv – auf der gleichen Seite, mit den gleichen Motiven.

    Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Vita und die Rollen dieser wichtigen Akteure in beiden Städten.

    Als Petra Kahlfeldt im letzten Jahr – ziemlich überraschend – zur neuen Senatsbaudirektorin ernannt wurde, gab es ein recht lautes mediales Echo.

    In der Onlinezeitschrift urbanophil wird das so kommentiert:
    „Petra Kahlfeldt hat in den letzten gut 30 Jahren gemeinsam mit Paul Kahlfeldt deutschlandweit eine große Anzahl von Villen, luxuriösen Wohnhäusern und hochwertigen Gewerbebauten realisiert sowie historische Bauten saniert. Zudem war sie Teil der Kommissionen zum Bau des Berliner Humboldtforums, zum Wiederaufbau der Altstadt Frankfurts als “Dom-Römer-Quartier” oder zur Potsdamer Mitte rund um den Alten Markt. In den 1990er Jahren gehörte sie der Entourage von Hans Stimmann an, der mit seiner Interpretation der “Kritischen Rekonstrution” von Stadt ein rigides, auf ein “steinernes Berlin” zielendes Stadtbild durchgesetzt hat.Es ist nun nicht nur zu befürchten, dass Rekonstruktionsdebatten in Berlin wieder aufleben, Architektur vor allem unter einseitigen ästhetischen Gesichtspunkten verhandelt werden wird und Berlin architektonisch und stadtentwicklungspolitisch endgültig in der Provinzialität landet. Vielmehr noch stellt sich die Frage, wie Petra Kahlfeldt die drängenden Fragen bzgl. der ausufernden Mieten und der Klimaziele lösen möchte. Was sie bislang gemacht hat, ging komplett und haargenau in die andere Richtung, ja ist vielleicht sogar Teil der heutigen Probleme.“https://urbanophil.net/stadtentwicklung-stadtpolitik/berlin-im-rueckwartsgang-petra-kahlfeldt-wird-neue-senatsbaudirektorin/

    Die Berliner Geschichte als Teil eines Netzwerkes für eine Rekonstruktion bzw. historisierende Stadtentwicklung manifestiert sich auch und vor allem im überregional aktiven Architekten- und Ingenieurvereins (AIV) zu Berlin, deren Kuratoriumsmitglied sie 2008 wurde und wo sich das „Who ist who“ eben jener Stadtplaner und Architekten versammelte, die eine solche Stadtentwicklung durchsetzen wollte. 2022 hat der AIV ein Buch seines Urvaters Hans Stimmann präsentiert, in der seine Thesen von Stadtentwicklung noch einmal formuliert und begründet wurden. „In den versammelten Schriften setzt er sich unverdrossen für das Leitbild der Europäischen Stadt ein, tritt vehement ein für die Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses in der Berliner Mitte und erneuert sein Plädoyer für einen Städtebau, der parzelliert und eigentumsbezogen sein soll.“ fasst selbst die Morgenpost zutreffend zusammen. – https://www.morgenpost.de/berlin/article234767475/Hans-Stimmann-Ansichten-eines-Geschmacksdiktators.html

    Auch in Potsdam ist Petra Kahlfeldt schon längere Zeit aktiv.

    Fünf Jahre – von 2017 – 2021 war sie Mitglied im Gestaltungsrat der Stadt Potsdam und hat in dieser Zeit wichtige Gestaltungskonflikte – vor allem um die Potsdamer Mitte erlebt und Einfluss darauf genommen – https://www.potsdam.de/mitglieder

    Wie schon oben erfahren, war und ist Frau Kahlfeldt Mitglied in diversen Kommissionen, Wettbewerbsverfahren und bei Ausschreibungen, unter anderem zur Potsdamer Mitte am Alten Markt (Block III und Block IV), der Entwicklung des Quartiers Potsdam – Rote Kaserne, zum Kreativquartier Langer Stall. Fast schon logisch, dass sie auch Mitglied des Fachgremiums zur Rekonstruktion der Garnisonskirche in Potsdam ist.

    Man kann also sagen, bei fast allen städtebaulichen Konflikten in dieser Stadt hat Petra Kahlfeldt mitentschieden.
    Die vielen Kontakte scheinen ihr auch geholfen haben, an lukrative Aufträge für ihr eigenes Architekturbüro https://www.kahlfeldt-architekten.de/ zu kommen. Die Liste der Projekte in Potsdam umfasst unter anderem: Wohnhäuser in Bornstedt in der Georg – Herrmann – Allee. Wer sich mal die Auflistung der Fotos ihrer Wohnbauten anschaut, bekommt sehr leicht eine Vorstellung davon, was Frau Kahlfeldt gerne baut.

    Einer derjenigen, welche dann in der Potsdamer Mitte als Architekten zum Zuge kamen ist oder besser war Bernd Albers mit seinem Architekturbüro BERND ALBERS Gesellschaft von Architekten mbH – https://www.berndalbers.com/.

    Die Zahl seiner Projekte in Potsdam ist noch viel größer als bei Petra Kahlfeldt. Dazu gehören unter anderem: Die Wohnhäuser oder besser Eigentumswohnungen in der Georg – Herrmann – Allee – gemeinsam mit den Kahlfeldt – Architekten. In der neuen, alten Potsdamer Mitte hat er in der Erika-Wolf-Straße 3 – ehemals Schwertfegerstraße 13 gebaut und natürlich vor allem das Museum Baberini eben dort. Auch Bernd Albers kann am Besten Luxuswohnen. „Neue Liebe“ heißen die Villen in Bornstedt: https://neue-liebe-potsdam.de/ und es bedarf keines Kommentars, um zu wissen, wer hier was für wen baut.

    Aber und das ist wichtig: Bernd Albers ist eben nicht einfach ein privater Architekt.
    Bernd Albers gehört zum oben beschriebenen Netzwerk historisierender Stadtentwicklung in Berlin und anderswo. Er war Gewinner diverser Wettbewerbe des AIV und – wie oben schon benannt, einer der „Gewinner“ des Wettbewerbs um die Neugestaltung des Molkenmarktes in Berlin. Im Nachruf von Baunetz heißt es unter anderem: „So baute Albers beispielsweise an der Neuen Altstadt in Frankfurt am Main mit, war in das Projekt „Unvollendete Metropole“ des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg involviert und engagierte sich in der „Planungsgruppe Stadtkern“, zu der unter anderem auch die amtierende Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt gehört, für eine „Wiedergewinnung der Berliner Mitte.“ https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Zum_Tod_von_Bernd_Albers_7909707.html

    Und in Potsdam war Bernd Albers Professor der Fachhochschule Potsdam, seit 2005 sogar Dekan des Fachbereichs Architektur und Städtebau. Natürlich hat es sich in dieser Funktion auch klar zur Entwicklung in der Stadtmitte von Potsdam positioniert.
    Zum Konflikt um die Fachhochschule hat er das so ausgedrückt: „Ihre Begeisterung für das Hässliche und ihr Beharren auf ästhetische Brüche bleiben rätselhaft.“ – und gemeinsam mit anderen Professor*innen der Branche: „Die Beseitigung der für diesen Ort völlig überdimensionierten und architektonisch wenig qualitätsvollen Fachhochschule und die Rekonstruktion einiger historischer Leitbauten und Ergänzung durch mehrheitlich neue Stadthäuser mit hohem Wohnanteil ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.“ https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/fh-professoren-fur-abriss-des-hasslichen-7190338.html

    Bei so einem Anliegen ist auch Benedikt Goebel nicht weit. Auch er sitzt im Vorstand der AIV und ist seit 2011 Sprecher der „Planungsgruppe Stadtkern“ – einem Forum, was nach den Zeiten von Stimmann seinen Rekunstruktionskurs weiterführt und auch mit der SPD gut vernetzt ist – https://planungsgruppe-stadtkern.de/planungsgruppe-stadtkern/ Deren Ziel: Eine kleinteilige Parzellierung und teilweise Privatisierung der Grundstücke am Molkenmarkt – inzwischen auch an anderen Standorten in der Berliner Mitte. Es wundert überhaupt nicht, dass in der neuen erst im Juli 2022 gegründeten „Stiftung Mitte Berlin – Für das Herz der Stadt“ Benedikt Goebel stellvertretender Vorsitzender der Stiftung geworden ist.
    In Potsdam hat er gemeinsam mit den AIV diverse Vortragsreihen und Wettbewerbsverfahren von und für Student*innen vor allem der Fachhochschule Potsdam organisiert. Vor allem das Projekt „Unvollendete Metropole“http://unvollendete-metropole.de/ spiegelt die Grundideen der beschriebenen Akteure gut wieder. Sie orientiert sich am Groß – Berlin der 20 ` er Jahre und impliziert eine unvollendete Entwicklung in den Raum, der heute zu Brandenburg gehört – einschließlich Potsdam. Benedikt Goebel ist dort Geschäftsführer – gemeinsam mit Tobias Nöfer, den wir unten noch kennenlernen werden.
    Der städtebauliche Wettbewerb Berlin – Brandenburg 2070 beschreibt dies ganz gut: „Mit Blick auf das Jubiläum 100 Jahre (Groß-) Berlin hat der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V. in Partnerschaft mit anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen im Jahr 2019 einen offenen, zweiphasigen „Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070“ ausgelobt. Gesucht werden städtebauliche Visionen für die Zukunft der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg, die sich unter anderem mit dem Leitbild des „Siedlungssterns“ der Gemeinsamen Landesplanung städtebaulich auseinandersetzen. Ziel des Ideenwettbewerbs ist nicht eine völlig andere, neue Großstadtregion, sondern – anknüpfend an Besonderheiten, Stärken und Schwächen – die nachhaltige Weiterentwicklung der überkommenen städtebaulichen Potenziale und die Überwindung vorhandener Schwächen.“https://unvollendete-metropole.de/wettbewerb-berlin-brandenburg-2070/
    Aufschlussreich ist auch die Liste der Förderer: Deutsche Wohnen, Accentro Real Estate, Trockland, TLG oder Engel & Völkers.

    Kommen wir zu Tobias Nöfer. Er ist Architekt, Vorsitzender des AIV zu Berlin-Brandenburg e.V. und er hat viele weitere Funktionen, die ihn auch mit Potsdam verbinden. Wie eben beschrieben ist er auch Geschäftsführer der Berlin 2070 gGmbH – welche das Projekt „Unvollendete Metropole“ organisiert, eigentlich aber eine Untergesellschaft des AIV ist.
    Der AIV wiederum arbeitet seit Jahren intensiv mit der Fachhochschule Potsdam zusammen. Dort war Bernd Albers ja lange Jahre Dekan des Fachbereichs Architektur und Städtebau. Seit Herbst letzten Jahres hat Tobias Nöfer als Vorsitzender des AIV diese Kooperation noch einmal vertieft. Nun gibt es einen offiziellen Kooperationsvertrag zum Thema „Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg“. Im Rahmen dieses Vertrages wird eine Vorlesungsreihe zum Projekt „Unvollendete Metropole“ organisiert und die Ausstellung dazu gezeigt. In Berichten zu dieser Kooperation wird klar, was das primäre Ziel dieser Kooperation ist: „ Als Verein steht der AIV für die Werte der europäischen Stadt. Seine wichtigste Aufgabe sieht er darin, Stellung zu aktuellen Planungen und Bauten in Berlin und Brandenburg zu beziehen. Er nimmt damit Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen Bereichen der Metropolregion.“ – und: „Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender: „Eine unserer zentralen Aktionen aktuell ist das Projekt ´Unvollendete Metropole´, das wir gemeinsam mit Partnern realisiert haben. Es ist ein Beitrag zur wichtigen Diskussion über die Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Dieses Thema jetzt durch die Kooperation den Studierenden nahe zu bringen, ist uns eine Herzensangelegenheit, da genau diese Generation unsere Metropolregion prägen wird.“https://www.lifepr.de/inaktiv/architekten-und-ingenieur-verein-zu-berlin-ev/AIV-Kooperation-mit-FH-Potsdam-zum-Thema-Metropolregion-Berlin-Brandenburg/boxid/873742
    Bewusst oder unbewusst wird hier klar, was das eigentliche Ziel dieser intensiven Kooperation mit einer Fachhochschule in Potsdam ist: Eine Generation junger Absolvent*innen im Sinne der „Europäischen Stadt“ , von Rekonstruktion und historisierender Stadtentwicklung auszubilden.
    Mit dabei ist hier übrigens auch Markus Tubbesing, Professor für Entwurf und Denkmalpflege an der FH Potsdam, der ebenfalls zum Netzwerk gehört.

    Auch Tobias Nöfer profitiert in Potsdam offensichtlich von der Stadtentwicklung, welche er entscheidend mitprägt. Hier ist eine unvollständige Liste seiner Auftragsarbeiten als Architekt:

    Brockesches Palais: https://www.aiv-berlin-brandenburg.de/aiv-auf-dem-bau-brockessches-palais-potsdam-sp-150020454/

    https://www.noefer.de/de/projekte/wohnhaeuser-berliner-vorstadt-potsdam/

    Die bisher behandelte Liste ist natürlich nicht vollständig.
    So gehört zum Netzwerk auch Willo Göpel, Historiker, Journalist und Projektentwickler, der selbst in Potsdam wohnt und als Vorsitzender des „Bauvereins Potsdamer Stadtkanal 1772“ den aktuellen Oberbürgermeister davon überzeugt hat, dass es für Potsdam von prioritärer Bedeutung ist, den alten Stadtkanal original wieder aufzubauen – https://www.maz-online.de/lokales/potsdam/das-sagt-der-chef-des-bauvereins-zu-schuberts-stadtkanal-vorstoss-HHA4Y2ZOGKNHP7TSI56AILY2JU.html

    Ein erstes Fazit.

    Wir haben zu diesem beschriebenen Netzwerk auch mit Menschen gesprochen, die sich seit vielen Jahren damit auseinandersetzen, weil sie die Folgen dieser Stadtpolitik sehen und benennen können. Viele von ihnen haben den Aufruf des Bündnisses Molkenmarkt in Berlin unterschrieben: http://berlin-plattform.de/29-9-2022-ein-breites-buendnis-fordert-ein-soziales-und-oekologisches-modellquartier-am-molkenmarkt-und-ein-klares-siegerteam-aus-dem-werkstattverfahren/
    Sie haben die Verbindungen zwischen Berlin und Potsdam offengelegt und uns zu dieser Recherche veranlasst. Dabei haben wir gesehen, was in Berlin an anderen Stellen längst Realität ist:„… zeigt (das) der Werdersche Markt in Mitte. Anfang der 2000er Jahre wurden dort Grundstücke zum Schnäppchenpreis an Private vergeben, auf denen dann schmale sogenannte Townhouses gebaut wurden. Architektin Burghardt schätzt die damaligen Gesamtkosten auf rund 800 000 Euro pro Einheit. Zehn Jahre später wurden die ersten Häuser für 8 Millionen Euro verkauft. Derzeit ist eines für 11 Millionen Euro im Angebot, ein anderes wird für 13 900 Euro monatliche Kaltmiete inseriert.“https://www.nd-aktuell.de/artikel/1167355.bauen-stadtentwicklung-nach-gutsherrenart.html
    In Potsdam zeigt sich das zum Beispiel an der Alten Fahrt, wo selbst der Geschäftsführer des Immobilienkonzerns Kondor Wessels Berlin GmbH als unverdächtiger Kronzeuge resümiert: „Kondor Wessels hat auch das Humboldtquartier zwischen Landtag und Alter Fahrt errichtet. Würden Sie das heute noch einmal bauen? – Nein. Nicht mit unserem heutigen Wissenstand und wie es wirtschaftlich gelaufen ist. Wir kamen mit einem blauen Auge davon. Wir haben an der Humboldtstraße zu dem Zeitpunkt die nach Quadratmeterpreisen angeblich teuersten Wohnungen der Stadt gebaut, aber trotzdem nur Geld gewechselt. Das sage ich so offen: Die Wohnungen mussten zu den Preisen verkauft werden, damit wir überhaupt kostendeckend arbeiten konnten. Der Aufwand für die Spezialtiefbau- und Wasserhaltungsarbeiten für die Tiefgarage war immens und hinzu kamen die nachgebildeten Barockfassaden, die alleine fast 20 Prozent der Investitionskosten ausmachten.“ https://www.maz-online.de/lokales/potsdam/bauunternehmer-mulder-mietendeckel-wird-spekulation-nicht-verhindern-UBDOGLCIKSSKMGSBTCFB4ULPMA.html
    Die Häuser, welche Kahlfeldt, Albers und Nöfer als Architekten gebaut haben sehen alle ähnlich aus: Teure Retrobauten aus alten Zeiten, energetisch und ökologisch fragwürdig und selten barrierefrei. Oder – wie es in den Kommentaren von Baunetz zu Petra Kahlfeldt formuliert wurde: „Da werden Pseudo-Säulchen mit Marmor verkleidet vor die Haustür der klassizistischen Retro-Villa gesetzt, die keine Funktion haben…auch ohne Stützen würde das Vordach halten.“ – https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Petra_Kahlfeldt_wird_Senatsbaudirektorin_7806174.html?backurl=https%3A%2F%2Fwww.baunetz.de%2Fmeldungen%2Findex.html&action=kommentieren
    Die Stadt, welche sie wieder haben wollen, ist für private Investoren und Wohlhabende. Tourist*innen sollen sich hier an ihrer Sicht auf Geschichte erfreuen, Freiräume für die Menschen in der Stadt gibt da kaum.

    In Potsdam haben sie es ganz offensichtlich geschafft, die Stadtpolitik von ihrer Idee der „Europäischen Stadt“, der „Kritischen Rekonstruktion“ zu überzeugen. Vielleicht wird es jetzt klarer, woher die Ideen und Konzepte kommen, die mit einer „Behutsamen Annäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild“ nur noch wenig zu tun haben. Das „Integrierte Leitbautenkonzept“ klingt fast genauso wie die Grundideen von AIV und Planwerk. Das aus der Fachhochschule Potsdam sogar Unterstützung kam, als diese die Stadtmitte verlassen musste, um nach Bornstedt zu ziehen wird jetzt richtig verständlich. Der Fachbereich für Architektur und Städtebau wird seit Jahren von den wichtigsten Akteuren dieses Netzwerkes geprägt und dominiert.
    Kahlfeldt, Albers und co. saßen in fast allen wichtigen Wettbewerbskommissionen, sie haben Stadtpolitik in ihrem Sinne beraten und kennen viele politisch Handelnde in dieser Stadt wie Saskia Hünecke persönlich – wie uns unsere Gesprächspartner*innen versicherten.
    Auch und gerade in Potsdam fällt auf, wie eng die Zugehörigkeit zu Wettbewerbskommissionen und die Erteilung von Aufträgen für Menschen aus diesem Netzwerk zusammenfallen. Sie haben zumindest gut davon profitiert.
    Nein, Potsdam ist kein gutes Beispiel für das, was in Berlin geplant ist. Alte Fahrt, Alter Markt und Alte Mitte sind teure Retroprojekte, steinerne und dementsprechend klimatologisch und ökologisch falsche Signale an den Städtebau im 21. Jahrhundert. Die postulierte Vielfalt bedeutet vor allem Privatisierung und die Genossenschaften, welche sich haben überreden lassen, dort zu bauen, werden wohl bald in der Kostenfalle sitzen.

    Jetzt in Berlin wollen sie wieder alle zusammen kommen und öffentlich zeigen, wie ihr Berlin, ihr Metropolraum (wo sie immer auch Potsdam mitdenken) aussehen soll.
    Beim „Mitte – Festival“ vom 19. – 22. Oktober 2022 möchte die Stiftung Mitte Berlin zeigen, wie ihre Mitte in Zukunft aussehen soll – https://stiftung-mitte-berlin.de/
    Benedikt Goebel führt durch das Programm, Tobias Nöfer moderiert und referiert, Petra Kahlfeldt stellt sich der Podiumsdiskussion, laut Prof. Dr. Markus Tubbesing „droht die Festschreibung der Suburbanisierung von Molkenmarkt“, Student*innen der Fachhochschule Potsdam werden mit ihren Arbeiten weiter massiv für dieses Retrostadtbild vereinnahmt.
    Hier darf dann auch noch Walter Momper ein wenig mitmachen, ihn kennen wir in Potsdam als „Projektentwickler“ des Luxusbauprojektes – der sogenannten „Havelwelle“ – https://www.subauftrag.com/havelwelle/
    Das komplette Programm dieses „Festivals“ historisierender Stadtentwicklung ist hier nachzulesen: https://stiftung-mitte-berlin.de/downloads/MITTE-FESTIVAL_2022_Programm_2022-10-04.pdf

    In Potsdam sind diese (Alb) Träume leider längst Realität.
    Das hier dargestellte Netzwerk hat daran leider einen erheblichen Anteil.

  • Ein ganz kleiner, aber wichtiger Schritt…

    hin zur ersten sozialen Erhaltungssatzung in Potsdam wurde jetzt getan.

    Nach immerhin fast 4 Jahren tut sich tatsächlich was beim Thema „Soziale Erhaltungssatzung“ für ein Quartier in Potsdam!
    Nach x Verzögerungen und genauso vielen Verlängerungen durch Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung hat die Stadt jetzt tatsächlich ein Unternehmen für das sogenannte Feinscreening gefunden. Hier geht es darum, die reale soziale Zusammensetzung einer erhaltenswerten Quartiersstruktur zu erforschen.
    Beauftragt wurde das Berliner Unternehmen LPG mbH, was auf diesem Gebiet bereits umfangreiche Erfahrungen aufzuweisen hat.

    Bereits in diesen Tagen werden dazu umfangreiche Umfragebögen an alle Haushalte im Untersuchungsgebiet verschickt.
    Diese sollen dann bis zum 25. Oktober 2022 zurückgeschickt werden. Sie sind die Grundlage einer anonymen Datenerhebung über die soziale Zusammensetzung der Wohnbevölkerung.

    Und dies wiederum würde dann die Voraussetzung für die tatsächlich allererste „Soziale Erhaltungssatzung“ in Potsdam werden!
    Deshalb gilt es jetzt natürlich, dass sich möglichst viele Menschen beteiligen und ihre soziale Situation darstellen. Um dies zu unterstützen, lädt die Anwohner*inneninitiative „Teltower Vorstadt für jeden Mittwoch Abend zum Mittwochstresen ins Haus 2 im Kulturzentrum Freiland ein! Außerdem wird es ein FAQ mit den wichtigsten Hinweisen zum Ausfüllen der Fragebögen geben.
    Am Dienstag, den 11. Oktober 2022 organisiert die Stadt eine Informationsveranstaltung im Haus Spartacus im Freiland, die ab 19 Uhr beginnt.

    Interessant ist das jetzt festgelegte Untersuchungsgebiet. – hier genau mit den einbezogenen Straßen!
    Neben der unmittelbaren Nachbarschaft des geplanten – und hoffentlich nie umgesetzten – IT Centrums auf dem ehemaligen RAW Gelände in der Schlaatzstraße wird auch Babelsberg Süd einbezogen!
    Warum stattdessen die Semmelhaack – Häuser am Hauptbahnhof rausgefallen sind scheint uns ein Rätsel. Vielleicht lohnt es sich, hier mal laut zu fragen.

    Also: Beteiligt Euch, wenn Ihr in dem betroffenen Gebiet wohnt!
    Immerhin können in einem künftigen Milieuschutzgebiet Häuser nicht mehr so leicht verkauft, Miet – in Eigentumswohnungen umgewandelt werden und unterliegen viele Investitionen einem Genehmigungsvorbehalt.

  • Die Abrisse stoppen – ein Abrissmoratorium sofort!

    Der Bund deutscher Architektinnen und Architekten, verschiedene Architektenkammern, Umweltverbände, Unternehmen, Dozent*innen und Wissenschaftler*innen fordern in einem offenen Brief an die Bauministerin Frau Geywitz ein Abrissmoratorium!

    Wir fordern ein Abriss-Moratorium: Statt Abriss und Neubau stehen wir für Erhalt, Sanierung, Umbau und Weiterbauen im Bestand. Jeder Abriss bedarf einer Genehmigung unter der Maßgabe des Gemeinwohls, also der Prüfung der sozialen und ökologischen Umweltwirkungen.
    … heißt es in dem offenen Brief, der heute hier veröffentlicht wurde:

    https://abrissmoratorium.de/

    Das Netzwerk „Stadt für alle“ teilt diesen Aufruf und offenen Brief und verweist darauf, dass es in Potsdam ein Wohngebäude gibt, was symbolisch für diese entscheidende ökologische und baukulturelle Frage steht: Der Staudenhof muss erhalten werden!
    Jetzt geht umso mehr der Ruf an die politisch Verantwortlichen in der Stadt Potsdam: Unterstützen Sie diese dringende Bauwende und erhalten Sie den Staudenhof!

    Sehr geehrte Klara Geywitz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

    In Deutschland entstehen jedes Jahr 230 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle, was 55 Prozent des gesamten deutschen Abfalls ausmacht. Zudem sagt der aktuelle Emissionsbericht des Umweltbundesamtes: Deutschland ist nicht auf Kurs, seine Klimaschutzziele zu erreichen. Der Gebäudesektor hat zum zweiten Mal in Folge sein Emissionsminderungsziel verfehlt. Um das Sektorziel 2030 zu erreichen, ist eine jährliche Minderung von Treibhausgasemissionen um 5,5 Millionen Tonnen nötig – mehr als das Doppelte als der derzeit erreichte Wert.

    Heute, wo die Klimaerwärmung spürbar, die Energieversorgung unsicher und die planetaren Grenzen erreicht sind, ist nicht der Erhalt von Gebäudestrukturen erklärungsbedürftig, sondern ihr Abriss. Die Erhaltung darf sich nicht auf einen kleinen Teil von repräsentativen Denkmälern beschränken, sondern muss den gesamten Baubestand umfassen. Die Zerstörung und der Abtransport von brauchbarem Baumaterial auf die Deponie ist nicht mehr zeitgemäß.

    Wir fordern ein Abriss-Moratorium: Statt Abriss und Neubau stehen wir für Erhalt, Sanierung, Umbau und Weiterbauen im Bestand. Jeder Abriss bedarf einer Genehmigung unter der Maßgabe des Gemeinwohls, also der Prüfung der sozialen und ökologischen Umweltwirkungen. 

    Ein Abriss-Moratorium:

    + aktiviert die großen Potenziale im Bestand und bereits versiegelter Flächen für die Schaffung der von Ihnen avisierten 400.000 neuen Wohnungen jährlich. Erhalt, Sanierung, energetische Verbesserung, aber auch Aufstockungen, Erweiterungen und die Anpassung an zukünftige Nutzungsanforderungen sind konstruktive Antworten auf die Wohnungsfrage.

    + nutzt den Gebäudebestand als wirksames Mittel gegen Energie- und Klimakrise. Es bewahrt und verwendet die im Material gespeicherte graue Energie. Außerdem vermindert es den Bedarf an energieintensiven und klimaschädlichen Baustoffen wie Beton und Stahl.

    + ist ein Schritt zur Kreislaufwirtschaft. Statt Abriss fördert es die Etablierung von Infrastrukturen für die Wiederverwendung von Bauteilen. In der zirkulären Stadt bedarf es schließlich keiner Deponie mehr.

    + verhindert Gentrifizierung und Verdrängung in Ballungsräumen, die mit Abriss und Neubau oftmals einhergehen, und begegnet so sozialen Spannungen.

    + ist ein Beitrag zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation. Es steht für die Wertschätzung von Pflege und Reparatur des Bestehenden in seinem ganzen baukulturellen und geschichtlichen Reichtum.

    Die Politik muss dafür klare regulatorische Rahmenbedingungen schaffen. Dies umfasst:

    + Vorgaben, die den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden in die wirtschaftliche und ökologische Bewertung verbindlich einbeziehen und zum Standard in Genehmigungsprozessen machen. Gemeinwohlorientierte Projekte bleiben als Ausnahme möglich.
    – den Erhalt von Gebäuden zu erleichtern und ökonomisch attraktiver zu machen.

    + Leerstand in Städten zu begegnen und den Fokus auf Innenentwicklungsmaßnahmen zu legen, wie es mit dem beschlossenen Ende des § 13b Baugesetzbuch (Einbeziehung von Außenbereichsflächen in das beschleunigte Verfahren) vorgesehen ist.

    + die Forderung nach konsequenter Einhaltung der Klimaziele im Gebäudesektor.

    + Förderungen von Re-Use-Konzepten in der Architekturpraxis, so Unterstützung bei der Nutzung wiederverwendbarer Bauteile, der Errichtung dezentraler Bauteillager und digitaler Bauteilbörsen.

    Das Abriss-Moratorium ist ein Bestandteil im komplexen Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen für die Bauwende, wie es die Initiativen der MusterUMbauordnung von Architects for Future, der Charta von Rom von Bauhaus Erde, dem Haus der Erde des BDA und andere formuliert haben.

    Bis 2045 will die Bundesrepublik klimaneutral sein. Wir müssen heute klima- und umweltgerecht bauen, um die Ziele von morgen zu erreichen. Es bedarf politischen Mutes, um die Baubranche klimagerecht umzugestalten. Frau Bundesministerin Geywitz, nehmen Sie Ihre Verantwortung an und treten Sie entschlossen für eine Bauwende ein und für ein Abriss-Moratorium, das Bauen im Bestand fördert.

  • Gemeinsame Presseerklärung von Mietaktivist*innen aus aller Welt

    Das Netzwerk „Stadt für alle“ kritisiert gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen der Mieter*innenbewegung aus der ganzen Welt den bevorstehenden G 7 Gipfel der Bauminister*innen in Potsdam.

    Hier findet ihr die Presseerklärungen in:

    Englisch

    Deutsch

    Presseerklärung +++ Anlässlich des G7 Fachministerinnen-Treffens für nachhaltige Stadtentwicklung am 12. und 13. September in Potsdam fordern Mietaktivistinnen aus aller Welt die Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen in den Gipfel +++

    Aktivist*innen wurden weder informiert noch eingeladen +++
    Mittel, wie die geplante Vergesellschaftung von großen Immobilienfirmen in Berlin, sollten ein zentraler Bestandteil der Strategie gegen die globale Wohnungskrise sein +++

    Die G7-Minister*innen sind schon im Vorfeld ihres morgigen Treffens an den eigenen Ansprüchen gescheitert. Anlässlich des G7 Fachministerinnen-Treffens für nachhaltige Stadtentwicklung am 12. und 13. September in Potsdam fordern zivilgesellschaftliche Mietinitiativen aus aller Welt die teilnehmenden Minister*innen auf, transparent zu arbeiten und im Sinne Ihrer eigenen Maßgaben zu handeln: der „Förderung einer gemeinwohlorientierten Politik auf lokaler Ebene“, der „Armutsbekämpfung“ und der „sozialen Eingliederung in Städten“.

    Mehr als ein paar Phrasen auf ihrer offiziellen Webseite haben die Ministerinnen zu diesen Themen nicht zu bieten. Die Zivilgesellschaft wurde zu dem G7-Fachministerinnen-Treffen weder eingeladen noch informiert. Anfragen zur Tagesordnung der Veranstaltungen und den Gästen wurden nicht beantwortet. Die G7 werben und stehen für Demokratie, doch sie weigern sich, die Menschen einzuladen, die täglich den verheerenden Auswirkungen der Gentrifizierung ausgesetzt sind, und die in ehrenamtlicher Arbeit Lösungsstrategien für ihre Städte entwickelt haben.

    Ein Treffen unter Ausschluss der Stadtgesellschaften ist eine Alibiveranstaltung. Die lokalen Aktivistinnen kämpfen und mobilisieren seit Jahrzehnten gegen Gentrifizierung und den Ausverkauf ihrer Städte. Sie sind die Expertinnen einer sozialen und nachhaltigen Stadtentwicklung.

    „Die globale Wohnungskrise wird durch einen großenteils unregulierten, profitorientierten Immobilienmarkt verursacht. Politikerinnen, wie die Fachministerinnen der G7, müssen diese globalen Akteure regulieren, um den Zugang zu bezahlbarem Wohnen zu garantieren. Maßnahmen wie die geplante Vergesellschaftung großer Immobilienunternehmen in Berlin sollten deswegen ein zentraler Teil der Strategie gegen die globale Wohnungskrise sein“, so Dan Peterka, Pressesprecher von Deutsche Wohnen & co enteignen.

    Im September 2021 haben sich 59,1% der wahlberechtigten Berliner*innen für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne ausgesprochen. Die deutsche Verfassung macht eine solche Enteignung zum Schutz des öffentlichen Interesses möglich.

    Die juristischen Voraussetzungen der Vergesellschaftung werden derzeit in Berlin geprüft und die Umsetzung verhandelt.

    Weltweit brauchen Mieter*innen effektive Maßnahmen, um nicht länger aus ihren Wohnräumen vertrieben zu werden. Wohnraum muss dem Markt entzogen werden. Ein G7-Treffen, das die wirtschaftlichen Mechanismen nicht antastet, die der globalen Wohnungskrise zugrunde liegen, ist ein zahnloser Papiertiger.

    Auch Balakrishnan Rajagopal, der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Wohnen, hat auf der diesjährigen Enteignungskonferenz in Berlin die globale Dimension des Problems hervorgehoben: „Das Menschenrecht auf Wohnen darf nicht länger den Interessen der Wirtschaft untergeordnet werden. Wir brauchen eine Rückkehr zu den Werten, die den Vereinten Nationen zugrunde liegen.“

    Wir, Initiativen der weltweiten Mieter*innen-Bewegung, fordern die Vergesellschaftung von Wohnraum als nachhaltige Lösung für die globale Wohnungs- und Mietenkrise!

    Aktivistinnen aller Nationen müssen zu dem Treffen eingeladen werden, um gemeinsam mit den G7-Ministerinnen Strategien gegen steigende Mieten und Wohnungslosigkeit zu finden.

    Wohnen ist Menschenrecht.
    Unsere Städte brauchen jetzt weltweit eine gerechte Wohnungspolitik!

    Kontakt: presse@dwenteignen.de

    Deutsche Wohnen & Co. enteignen
    Acorn international
    Potsdam – Stadt für alle
    Philadelphia housing action, USA
    Habitat International Coalition
    FCDL – Frontal common pentru dreptul la locuire, Bukarest, Rumänien
    Housing justice for all, New York, USA
    Habita!, Lissabon, Portugal
    Krov nad glavom, Serbien

  • Jubel – und Wutdemo zum G 7 Treffen in Potsdam

    Heute haben rund 250 Menschen an einer Demonstration anlässlich des bevorstehenden G 7 Treffens der Bauminister*innen in Potsdam teilgenommen.
    Dabei wurde die Stadtpolitik hier in Potsdam und die völlig unverständlichen Themen dieses Gipfels spöttisch aufs Korn genommen – ausgerechnet in Potsdam über nachhaltige und inklusive Stadtentwicklung beraten zu wollen.

    Logisch, dass die stadtpolitischen Initiativen dazu gar nicht erst eingeladen sind. Mieter*inneninis, Freirauminitiativen und kritische Stadtpolitik passen wahrscheinlich nicht wirklich auf die Hochglanzfotos von total produktiven Arbeitsessen.

    Wobei – es scheint inzwischen durchaus fraglich, wer da alles die Einladung von Frau Geywitz annehmen wird. Aus gut unterrichteten Kreisen wissen wir, dass der kanadische Wohnungsminister nicht nach Potsdam kommen wird – wegen dem Tod der britischen Königin. Kommt dann der britische Bauminister? Findet das G 5 Treffen dann noch statt??

    Am Kulturzentrum Freiland und dem unsinnigen Megainvestorenprojekt auf dem RAW Gelände wurde aus der Jubeldemo eine Wutdemo!

    Ja, es reicht.
    Genug ist genug.
    In dieser dramatischen sozialen Krise muss Schluss sein mit der Abwälzung einer selbstverschuldeten Energie – und Wohnungskrise auf die Mieter*innen.

    Deshalb hier noch einmal die wichtigsten Forderungen der heutigen Demonstrationen:

    • Her mit dem Mietenstopp! Schluss mit der Abwälzung der Krisenkosten auf die Mieter*innen!
    • Abrisse stoppen! Den Staudenhof erhalten! – sonst ist alles Gerede von einer nachhaltigen Stadtentwicklung nur Heuchelei!
    • Stadt – und mietenpolitische Initiativen wirklich einbeziehen! Eine soziale und nachhaltige Stadt wächst nur von unten!

    Hier findet Ihr den Redebeitrag der EAP bei der Demo.

    Außerdem dokumentieren wir außerdem den Redebeitrag von Holger Zschoge/ Netzwerk „Stadt für alle“ bei der Jubeldemo:

    „In wenigen Tagen werden sich in Potsdam die Bauminister*innen der G 7 treffen.
    Oder – Wie sie es nennen: „Treffen der G7-Ministerinnen und -minister für nachhaltige Stadtentwicklung“.

    Das klingt verständlich und bringt die Stadtentwicklung in London, den USA oder Tokio genau auf den Punkt.

    Die Investitionen von Kleptokraten aus Osteuropa und der arabischen Welt in Luxus – und Anlageobjekte in London sind auf Dauer angelegt und bringen jedes Jahr neue Wertsteigerungen – das Kapital ist hier eindeutig nachhaltig angelegt.

    In den USA werden die Flächen weiter kontinuierlich mit Einfamilien – und Reihenhäusern versiegelt, genauso regelmäßig werden insolvente Eigentümer aus ihnen zwangsgeräumt – Kreislaufwirtschaft in Reinkultur.

    Und von Tokio können wir lernen, wie Menschen auch mit der kleinsten Wohnung ein zufriedenes Leben führen können – eine nachhaltige Stadtentwicklung wird nur funktionieren, wenn wir bereit sind, von unseren viel zu großen Bedürfnissen abzurücken.

    Auf der Liste der Themen, welche die Bauminister*innen zwischen den vielen Arbeitsessen und Fototerminen bearbeiten müssen, stehen deshalb auch so wichtige Punkte wie:
    Stärkung inklusiver und nachhaltiger Stadtplanung – oder:

    Förderung einer gemeinwohlorientierten Politik auf lokaler Ebene.“

    Da sind sie in Potsdam ja genau richtig.

    Sicherlich werden sie in einem Stadtrundgang durch die neu entstehende Mitte die vielen nachhaltigen Abrisse bewundern und die energetisch wertvollen barocken Fakegebäude aus aufgeklebten Sandstein bestaunen. Auf dem Alten Markt und dem Lustgarten können sie die historischen Plätze sehen, die im Klimawandel für nachhaltig höhere Temperaturen sorgen. Blumen, Sitzecken, Wasserspender würden nur der Aufenthaltsqualität der Menschen dienen und stören in unserem barocken Museum.

    Auch in Sachen Klimaschutz ist Potsdam ein Musterschüler. Wir haben den Klimanotstand ausgerufen! Um diesen Zustand auch in Zukunft zu erhalten, werden weiter fleißig Bäume abgeholzt wie beim Nuthewäldchen, Flächen versiegelt, auf Abriss wie beim Staudenhof gesetzt.

    Unsere Radwege werden Jahr für Jahr ordentlich in Form von schmalen Streifen auf viel befahrene Straßen gemalt, zum Ausgleich fährt die Rathausspitze einmal im Jahr mit dem Fahrrad zu Arbeit – Stadtradeln nennen sie das.

    Natürlich ist die Stadtentwicklung in Potsdam inklusiv. Jedes Jahr unternehmen wir große Anstrengungen, neue superreiche Millionäre in die Stadtgesellschaft zu integrieren. Und bei Persönlichkeiten wie Hasso Plattner, Bild – Chef Döpfner oder Günther Jauch ist das gar nicht so einfach. Vor allem haben wir erkannt, wie wichtig ist, ihnen ihre Hobbys zu lassen. Sie kaufen nun mal gerne Häuser und Grundstücke, errichten Museen und schmücken sie mit barocken Skulpturen. Lasst sie spielen!
    In Potsdam sind neue Bewohner*innen immer willkommen. Insbesondere, wenn sie in Immobilien investieren und große, neue Glaspaläste für irgendwelche ausgedachten IT Ankermieter bauen.

    Im Ergebnis solcher Investitionen steigen in Potsdam Bodenpreise und Mieten kontinuierlich. Das garantiert den Immobilienunternehmen einen nachhaltigen Gewinn und motiviert Menschen, die sich das nicht leisten können. Potsdam zu verlassen. Das stärkt die Inklusion, weil nicht mehr so viele arme Bewohner*innen der Stadt integriert werden müssen.

    Deshalb ist Potsdam jetzt schon eine Stadt mit einer gemeinwohlorientierten Politik. Auch das ist ist ein guter Grund, warum die G 7 – Minister*innen von Potsdam lernen können. Seit vielen Jahren verkauft die Stadt ihre Grundstücke zu Höchstpreise an gemeinwohlorientierte Unternehmen wie die Instone Real Estate. Immobilienkonzerne wie Vonovia und die Deutsche Wohnen arbeiten völlig zurecht im Verband Brandenburgischer Immobilienunternehmen mit den kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen zusammen – sie eint ihre Gemeinwohlorientierung. Da bietet es sich natürlich auch an, dass sie mit der kommunalen Gesellschaft ProPotsdam immer gut kooperieren – sei es bei der Entwicklung des neuen Quartiers in Krampnitz oder Benefizkonzerten für ukrainische Geflüchtete.

    Nicht zuletzt verweigert sich die Stadt Potsdam aus gutem Grund den bekannten Instrumenten des Schutzes von Mieter*innen. Milieuschutz zeigt ja schon, dass es dabei um die Bevorzugung eines speziellen Milieus geht und nicht um das Gemeinwohl aller Menschen in der Stadt. Vorkaufsrechte, Umwandlungsverbote, Zweckentfremdungsverfahren – gut, dass es das in Potsdam alles nicht gibt.
    Anders als in vielen anderen Städten werden hier eben keine Bußgelder bei Zweckentfremdung erhoben, keine Sanktionen bei der Umwandlung von Miet – in Eigentumswohnungen verhängt.
    Potsdam ist eindeutig schon jetzt gemeinwohlorientiert.

    Deswegen freuen wir uns, wenn die G 7 – Bauminister*innen sich jetzt hier in Potsdam treffen. Sie können ganz viel von Potsdam lernen – vor allem, wie man eine Stadtpolitik macht, die zu den höchsten Miet – und Grundstückskosten im Osten Deutschlands führt und längst mit Städten wie München oder Frankfurt konkurriert.

    Protest oder Kritik brauchen sie hier nicht erwarten, die Stadt hat seit vielen Jahren Übung darin, wie man die Vorschläge und Sorgen der Stadtgesellschaft ignoriert. Das Modell, alle erfolgreichen Bürgerbegehren mit juristischen Tricks wirklungslos zu machen, haben sie schon zur Kunst erhoben. Die Wut der Menschen wird meist erfolgreich in Infoveranstaltungen kanalisiert – wenn längst alles entschieden ist.

    Also: Feiern Sie schön, machen Sie ein paar schöne Bilder und genießen Sie die vielen Arbeitsessen.
    Am Ende bleibt eh alles so wie es immer war in Potsdam: Die nächsten Mieterhöhungen kommen bestimmt.“

  • Immobilieninvestoren unterstützen die Jubeldemo!

    Wie auf vielen SPD – CDU – Parteitagen haben wir uns für unsere Jubeldemo um Sponsor*innen bemüht:
    Das Motto „Gemeinsam für Mieterhöhungen und Verdrängung“ hat viele bekannte Immobilienkonzerne und Investor*innen, die ihr Geld in Potsdam anlegen dazu motiviert, uns mit beträchtlichen Beiträgen zu unterstützen.

    Als Gegenleistung geben wir ihnen hier noch einmal die Möglichkeit zur Werbung.
    Im Folgenden haben wir alle unsere Dossiers und Recherchen zusammen gestellt, welche die spannenden Geschäftsmodelle solcher Unternehmen präsentieren und zeigen, wie sie ihr Geld verdienen.

    KW Development

    Hedera Bauwert

    von Kenne und Dietrich

    Vonovia

    Dahler & Company und Henrik Ulven

    Nuthewäldchen

    Von Potsdam nach Panama und zurück

    M. Zeligman und die Concept oil Services Ldt.

    Wolfhard Kirsch

    Speicherstadt

    Deutsche Wohnen

    Viel Spaß beim Lesen, Ärgern und weiter recherchieren – es lohnt sich!

  • Pressemitteilung zu den Aktionen gegen das G 7 Treffen

    In der kommenden Woche werden sich die Bauminister*innen der G7 – Staaten auf Einladung von Frau Geywitz in Potsdam treffen.
    Oder – Wie sie es nennen: „Treffen der G7-Ministerinnen und -minister für nachhaltige Stadtentwicklung“.

    Da sind sie hier in Potsdam ja genau richtig.

    Denn hier:
    * Können sie lernen, wie man auch heute noch funktionsfähige Gebäude nachhaltig abreißt
    * Können sie noch Live miterleben, wie Menschen aus ihren Kiezen verdrängt werden.
    * Können erfahren, wie man Investoren mit egal was für unsinnigen, teuren und klimaschädlichen Bauprojekten den „Roten Teppich“ ausrollt.
    * Und sie können sehen, wie einfach es ist, die Sorgen von Menschen zu ignorieren und alle rechtlichen Instrumente einer sozialen Wohnungspolitik einfach nicht zu nutzen.

    Frau Geywitz hätte also für ihre Tagung, in der es u.a. um die „​​​​​​​Stärkung inklusiver und nachhaltiger Stadtplanung – oder die Förderung einer gemeinwohlorientierten Politik auf lokaler Ebene“ geht, keine bessere Stadt wählen können. Denn hier können die Gäste lernen wie man eine Stadtpolitik macht, die zu den höchsten Miet – und Grundstückskosten im Osten Deutschlands führt und längst mit Städten wie München oder Frankfurt konkurriert.

    Deshalb war unsere erste Idee als Reaktion auf auf dieses Jubeltreffen ohne jegliche Alltagsrelevanz: Eine satirische Jubeldemo.
    Zu dieser haben wir am Samstag, den 10. September 2022 die Menschen in Potsdam, Mieter*innen – und stadtpolitische Initiativen aus Potsdam und Berlin eingeladen.
    Wir wollen feiern, wie inklusiv und nachhaltig, wie sozial sich Städte in beteiligten 7 Ländern entwickeln und wie sehr sich dieser positive Prozess auch in Potsdam widerspiegelt, wir wollen Spott und Hohn über diese Heuchelei vergießen!

    Aber gleichzeitig spüren wir in den letzten Wochen immer mehr Wut und Sorgen der Menschen.

    Die Lage ist Ernst. Wohnen ist eine der drängendsten sozialen Fragen unserer Zeit. Die sich verschärfende soziale Krise spüren die Menschen auch hier in Potsdam vor allem bei den Wohnkosten. Und diese werden wir nicht am Konferenztisch von Bauminister*innen klären. Wir erwarten leider wenig von einer Bauministerin, die zwar ankündigt, aber nicht liefert und auch im Krisenherbst keine Antwort auf die explodierenden Wohnkosten findet. Die im sogenannten Entlastungspaket angekündigte Wohngelderhöhung setzt wieder einmal an der falschen Stelle an – und subventioniert vor allem die Eigentümer.

    Es waren und sind vor allem stadtpolitische Bewegungen von Unten, die in den letzten Jahren Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit gefunden haben. Sie organisieren Nachbarschaftsaustausch, lassen niemanden zurück und sorgen sich um die Nachhaltigkeit ihrer Kieze. Sie fordern seit langem, die Krisengewinner zur Kasse zu bitten und Immobilienkonzerne zu enteignen!
    Inklusive und nachhaltige Stadtpolitik – das dürfen keine Deals mehr mit Großinvestoren sein, sondern muss von unten wachsen. Das muss den Bestand sichern, statt abzureißen, das muss neue Megaprojekte aus Beton und Glas verhindern statt ohne echte Bürger*innenbeteiligung durchzudrücken.

    In der Wohnungspolitik muss sich grundlegend etwas ändern! Mieter*innen müssen Mittelpunkt der Politik sein – nicht die Immobilienkonzerne. So lange wir der Spekulation mit Wohnraum nicht die Grundlage entziehen, werden wir nie eine auf die Menschen ausgerichtete Wohnungspolitik haben. Deswegen: Gemeinnützigkeit einführen und in den dauerhaften Bestand von sozialem Wohnraum investieren.
    Und in der aktuellen Krise brauchen wir sofort einen Mietenstopp!

    Es ist frustrierend, dass die Genoss*innen von Klara Geywitz, die seit 30 Jahren in Brandenburg regieren und in Potsdam den Oberbürgermeister stellen, es nicht einmal hin bekommen, die rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz der Mieter:innen umzusetzen.
    Es gibt in Potsdam noch immer kein Milieuschutzgebiet, kein Vorkaufsrecht, kein Umwandlungsverbot, die Zweckentfremdungsverordnung wirkt gar nicht, das Baulandmodell ist unwirksam, eine neue Bodenpolitik kommt nicht vom Fleck.

    Deshalb ist manchmal Satire der einzig mögliche Weg des Umgangs mit einem solchen Treffen.
    Wir wollen den hohlen Floskeln den Spiegel vorhalten.
    Wir wollen mit kreativen und phantasievollen Mitteln den Finger in die Wunde eines der größten sozialen Konflikte der Gegenwart legen.
    Und ja: Wir werden auch denjenigen Raum geben, die eher wütend sind und ihre Sorgen und ihren Frust laut und deutliche formulieren wollen.

    An der Jubeldemo am Samstag, den 10. September 2022, 14 Uhr ab Lustgarten sind fast alle stadtpolitischen Initiativen aus Potsdam vertreten sowie die Initiative Deutsche Wohnen und co. enteignen aus Berlin und andere überregionale Gruppen.
    Es wird ein buntes Programm mit Sheerlaedern, Transpis, Musik, Eventbike, Reden und vielem mehr geben.
    Die Demonstration wird vorbei an einigen der schlimmen Investorenprojekte in Potsdam gehen: Der Speicherstadt, dem geplanten IT Centrum auf dem RAW Gelände, dem Nuthewäldchen in Zentrum Ost.
    Nach der Demo geht es weiter: Auf der Wiese hinter der ILB gibt es einen Jubelrave und am Abend Solipartys und Konzerte im Archiv und der la Datscha.

    Und zuletzt: Wir rufen auf zu Aktionen – auch an den Tagen des G 7 – Treffens am 13./ 14. September 2022 – wir sind nicht einmal offiziell eingeladen, also laden wir uns selbst ein…

    Stadt für alle
    6. September 2022