Kategorie: Garnisonkirche & Rechenzentrum

Nach dem Abriss der Fachhochschule konzentriert sich die Auseinandersetzung um die Stadtmitte auf einen ganz zentralen Konflikt Potsdamer Stadtentwicklung: Bleibt das Rechenzentrum als Symbol von Kreativität, Selbstbestimmung und Widerständigkeit oder entsteht die alte Garnisonkirche als Symbol für Militarismus, Krieg und Rechtsextremismus wieder?
Unsere Autor*innen erzählen vom „Lernort Garnisonkirche“, von den vielen Aktionen der BI „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ und haben quasi nebenbei ein Geschichtsbuch darüber geschrieben, welche Epoche warum die Stadtmitte von Potsdam dominieren sollte.

  • Humboldtforum ehrt rechtsradikalen Großspender

    Ein Beispiel wie Rechtsradikale und Rechtskonservative durch ihre Spenden Baupolitik und Erinnerungskultur beeinflussen.

    Im Humboldtforum wird der Großspender Erhardt Bödecker mit einem Medaillon geehrt, der rechtsradikale Ansichten vertrat und sein Preußenbild mit antisemitischen und antidemokratischen Positionen verband. Zudem besteht der Verdacht, dass er für die Durchsetzung der Rekonstruktion der Kuppel eine entscheidende Schlüsselrolle spielt. Dies ist einem Artikel von Philipp Oswalt zu entnehmen, der am 28.10.2021 im Tagesspiegel (Link) erscheinen ist.

    Die Stiftung Humboldt Forum distanziert sich nun von Bödeckers Positionen und will ihrem Stiftungsrat eine Prüfung der Frage vorschlagen, ob eine Änderung der Spenderehrung erfolgen soll. Der Präsident des Zentralrats der Juden Deutschlands Josef Schuster begrüßt die Prüfung und meint, dass die Ehrung von Ehrhardt Bödecker äußerst kritisch hinterfragt werden müsse, zumal seine Postion klar antisemitisch sei.

    Die Frage ist doch nur, warum haben die Wiederaufbaufans der Stadtschlosskulisse das Geld erst angenommen? Fand auch dort, wie hier bei der Garnisonkirche, keine Offenlegung der Spender*innen statt? Beim Wiederaufbau der Garnisonkirche haben Spender erreicht, dass nicht das Nagelkreuz dem Turm eine klare neue Aussage gibt, sondern dass die nachgebaute Wetterfahne die Stadtkrone wird. Eine Wetterfahne die eine klare Botschaft, eine Kampfansage gegen Frankreich enthält, soll von oben herab, zukünftig alles Reden von Toleranz und Vergebung überdecken.

    Das Humboldt-Forum bekam eine Kuppel mit Kreuz. Dieses Kuppelkreuz radikalisiert mit dem Zitat aus der Zeit der Reaktion. Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. formulierte 1853 mit der Inschrift einen christlichen Vormachtsanspruch. „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Die Inschrift kündet damals von der antidemokratischen und antisemitischen Einstellung des Königs und heute von der Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen! Analogien zur Garnisonkirche sind unverkennbar.

    Die aktuellen Recherchen von Oswalt bestätigen vielfältige, fragwürdige Einflussnahme: „Die Witwe des Versandhändler Werner A. Otto hatte in Erinnerung an ihren Ehemann das vier Meter hohe Christuskreuz mit Reichsapfel auf der Schlosskuppel gestiftet. Dieser hatte sich zwar seit Lebens mit politischen Äußerungen in der Öffentlichkeit zurückgehalten, aber im Jahr 2001 dem rechtsradikalen Bundeswehroffizier a.D. Max Klaar drei Millionen Mark für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam zugesagt. Während das Problem einer rechtslastigen Ikonografie sich beim Berliner Schloss auf die Kuppel mit ihrer reaktionär-antifreiheitlichen Inschrift und dem Kreuz sowie die Spendenehrung für Bödecker konzentriert, betrifft es in Potsdam den gesamten Bau.“

    Der Bund als Bauherr und Hauptförderer der preußischen Symbolbauten in Berlin und Potsdam muss sich der Frage stellen, ob aus fehlender Achtsamkeit nicht immer eine klare Abgrenzung zu rechtslastigen Spendern erfolgt ist. Es geht dabei nicht nur um Geld. In Potsdam hat die einstige Spendenvereinigung um Max Klaar die Initiierung und Ausgestaltung des gesamten Bauvorhabens der Garnisonkirche wesentlich geprägt. Daran änderte bis heute auch die „Übernahme“ des Projektes durch die evangelische Kirche und die Stiftung Garnisonkirche nichts.

    Der Bund als Bauherren hat mit den optionalen Bausteinen in Berlin Spender*innen die Möglichkeit gegeben, auf die Ausgestaltung des Bauwerks Einfluss zu nehmen. Im Frühjahr 2013 stand die Entscheidung an, ob das „Humboldt-Schloss“ mit oder ohne historischer Kuppel gebaut wird. Oswalt bestätigt, dass eine Spende die Entscheidung beeinflusste. „Mit einer siebenstelligen Spendenbetrag sicherte ein vom Förderverein eingeworbener Spender die Realisierung dieses ideologisch besonders problematischen Bausteins des Bauvorhabens. Bödeckers Spende war siebenstellig. Zu Fragen ihrer Zweckbindung verweigert die Stiftung Humboldtforum aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ (Telefonat am 26.10.2021) die Auskunft. Doch die Öffentlichkeit hat ein Anrecht zu erfahren, ob sie den Bau der historischen Kuppel einem rechtsradikalen Spender verdankt.“

    Wer war Bödecker?

    Er war Jahrgang 1925 und wurde als Autor besonders mit Werken über die preußische Geschichte bekannt. Das Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau wurde von ihm konzipiert. Er investierte 6,7 Millionen Euro für die Zurschaustellung seiner Geschichtsauswahl. Bödecker gehörte dem 1969 von Hans-Joachim Schoeps und Louis Ferdinand von Preußen auf Burg Hohenzollern gegründeten „Zollernkreis e.V.“ an.

    Philipp Oswalt schreibt über Bödecker: „Nicht nur, dass er die Zahl von sechs Millionen Holocaustopfern bestreitet. Für den im Kaiserreich praktizierten Ausschluss von Juden aus Armee und Verwaltung äußert er Verständnis, denn dieser sei in dem legitimen Wunsch des Staates nach Homogenität begründet gewesen. Deutschland und Europa leide seit 1918 unter dem „talmudischen ,Niemals vergessen’“ (Preußen und die Wurzeln des Erfolgs, 2005). Das Ende des Zweiten Weltkriegs habe zur „Selbstvergottung der Sieger“ (Vae Victis, wehe den Besiegten, 2002) geführt, die „das politisch Ziel der persönlichen Demütigung und Erniedrigung der Deutschen, der Untergrabung unseres nationalen Selbstbewußtseins“ (ebenda) verfolgten. Bödecker meinte, die westlichen Siegermächte hätten sich auf eine „besondere Demütigung geeinigt, indem sie den Deutschen eine Art Gehirnwäsche verordneten, die als Reeducation oder Umerziehung in die Nachkriegsgeschichte eingegangen ist“ (ebenda). Und dieses Elend sei den Juden zuzuschreiben, denn die „Reeducation“ der West-Alliierten sei auf dem Einfluss der in die USA exilierten, jüdischen Soziologen der Frankfurter Schule zurückzuführen (Preußen und die Wurzeln des Erfolgs, 2005). Die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten sei von Großbritannien schon 1939 ins Auge gefasst worden (ebenda). Ihr seien 2,5 Millionen Deutsche zum Opfer gefallen (Vae Victis, wehe den Besiegten 2002), mithin angeblich fünf mal soviel wie von den Geschichtswissenschaften konstatiert. Während Bödecker von unserem heutigem Gesellschaftswesen wenig hielt, schwärmte er vom Kaiserreich. Die sei der „erfolgreichste Staat der deutschen Geschichte“ (Preußen – Die Antipreußische Gehirnwäsche, 2001) gewesen. Dank Kanzler und Kaiser sei Deutschland erblüht wie nie wieder. Ein Völkermord an den Herero und Nama habe es nicht gegeben (Preußen und die Wurzeln des Erfolgs, 2005). Der preußische Militarismus würde heute verleumdet, sei aber historisch betrachtet „ausgesprochen positiv“ (Interview Junge Freiheit 2007) gewesen.“

    von DER LINKE

  • Garnisonkirche: Architekturkopist Albrecht als Apostel Thomas

    von Carsten Linke

    „Für ein historisches Kirchenschiff hat er alles vorbereitet.“ sagt Architekturkopist Albrecht gegenüber der MAZ am 11.Oktober. Apostelgleich wird er zum Sprachrohr derer, die am Tisch der Stiftung Garnisonkirche sitzen und mit Altbischof Huber steuerfinanziertes Brot essen und Wein trinken. Es war nicht anders zu erwarten, dass einer der Aufbaujünger dieser Tage pressewirksam und arrogant in Erscheinung tritt.

    Nachdem Anfang Oktober die Tagung „Gott mit uns! Das schwierige Erbe des Nationalprotestantismus“ im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin stattfand, und im Deutschlandfunk [1] sowie in Kirchenzeitungen [2] (nur nicht in MAZ und PNN) reflektiert wurde, musste eine Gegenreaktion erfolgen. Die zweitägige Tagung gab Denkanstöße zum Thema des preußisch-deutschen Nationalprotestantismus und Impulse für die zukünftige Ausgestaltung des Gesamtensembles am Erinnerungsort Garnisonkirche Potsdam. Dabei wurden Fragen nach dem Zusammenhang von Nationalismus und Protestantismus gestellt. Altbischof Huber war den vielen fachlichen Argumenten nicht gewachsen. Selbst vom eigenen wissenschaftlichen Beirat kam Kritik.

    Der Politikwissenschaftler Hajo Funke stellte fest: die Garnisonkirche stehe für die „Initiierung der Totalherrschaft“ im NS-System und lasse sich nicht davon trennen. Deshalb sei ein Bruch notwendig, der neue Turm sollte als Zeichen der Umkehr unvollendet bleiben. Es spreche „mehr für eine Ruine“ als „Wunde, an der wir arbeiten können“. Deshalb passt die Äußerung Albrechts als Kontrapunkt in die Zeit. Statt Baustopp mit Deckel und Nagelkreuz drauf, protzt Kopist Albrecht damit, dass er bereits den Acker für das komplette Gotteshaus bestellt hat.

    Thomas Albrecht arbeitet sich an den Symbolbauten in Potsdam und Berlin ab. Zu der Dreifaltigkeit seines Glaubens ans schöne Gestrige und seines einfältigen Schaffens gehören die Kopien des Humboldt-Forums, des Palais Barberini und die des Turms der Garnisonkirche. Letzteren hält er für signifikanter als das Forum in Berlin und trotzdem nur für „das Servicegebäude für das Schiff“ [3]. Er hat den zweiten historisierenden Bauabschnitt bereits im Detail vorgeplant. Vor seinem inneren Auge steht schon das nutzlose Kirchenschiff. Auch das Rechenzentrum ist schon weg. „Das muss abgerissen werden. Es gibt keine rechtliche Handhabe, das zu verhindern. Es ist eigentlich schon passiert“, sagt Thomas Albrecht bei seiner Führung übers Baufeld auf Nachfrage. Natürlich gibt es diese rechtliche Handhabe. Es bedarf nur des politischen Willens seitens der Stadt und eines einzigen versöhnlichen Gedankens der Stiftung.

    Über die militärische Symbolkraft der Schmuckelemente am Kirchturm sagt Albrecht: „Wenn man Geschichte nachbaut, muss man auch diese Sachen nachbauen. Es gibt zwar Diskussionen, aber das muss man aushalten.“ Um sich im nächsten Atemzug über alle Bedenken zum Kirchenschiff hinwegzusetzen. Die Einwände, dass es weder ein Konzept noch Geld für das Kirchenschiff gibt und auch dass die evangelische Kirche den historischen Nachbau ablehnt, lässt er nicht gelten. Mehr als 100 Mio. € würden dafür notwendig werden, wenn nach heutigen Preisen kalkuliert wird. Nicht einmal 10 Mio. € Spenden haben die Kirchenliebhaber bisher für den 50 Mio. € teuren Turm zusammen bekommen. Lächerlich!

    Geschichte nachbauen, unreflektiert, ist der Beginn von Geschichte relativieren, ein Schritt zu Geschichte revidieren und das Einfallstor für die, die Geschichte gern neu erzählen wollen. So verhilft architektonischer Kleinmut der neuen wie alten Rechten zu Hochmut. Die unkritische Arroganz Albrechts ist Teil des Hochmuts der Stiftung Garnisonkirche und deren Befürworter*innen. Falls die Stiftung irgendetwas aus den Debatten der letzten Jahre gelernt hat, dann sollte sie sich zu Thomas Albrecht kritisch äußern – öffentlich.

    Kopist Albrecht ist scheinbar einer von den Menschen, die gern mit öffentlichen Geldern sich selbst verewigen und damit prahlen wollen. Die Armseligkeit der Tatsache, dass er das Gipsmodell eines barocken Helms mit Federbusch für sein Eigenheim „gerettet“ (sprich entwendet) hat, um sein privates Treppenhaus zu schmücken und damit auch noch öffentlich angibt, sagt alles. Einfältigkeit.

    Geschichte erinnern, Verantwortung lernen, Versöhnung leben. Eine andere einfältige Dreifaltigkeit. Versöhnung kann nicht eingefordert oder von Täter*innen verlangt werden. Dies können uns nur die Opfer anbieten. Die Versöhnungsfloskel ist eine Zumutung für die Opfer der Soldaten, die in dieser Militärkirche ihren Segen erhielten und über viele Teile der Welt den Tod brachten.

    Verantwortung lernt niemand, wenn er wie im „Ruf von Potsdam“ Geschichte verfälscht und an die Reflexe des Nationalprotestantismus und seine Unschuldsbekundungen nach dem Weltkrieg anknüpft. Es ist wichtig Geschichte zu erinnern, auch die der Hof- und Garnisonkirche. Aber dazu benötigt auch niemand eine Originalkopie. Geschichte erinnern, kann täglich am Platz der Einheit* und vielen anderen Orten in dieser Stadt erfolgen. Jeder einzelne Stolperstein macht dies deutlich. *Auch die evangelischen Kirchen haben Jahrhunderte komplett versagt gegenüber den Deserteuren, Antifaschist*innen/Kriegsgegner*innen und der jüdischen Bevölkerung.

    Die, die rund um Altbischof Huber an der großen Tafel der Stiftung Garnisonkirche sitzen und auf Kosten der Steuerzahler*innen reichlich Brot essen, Wein trinken und Wasser predigen, haben nicht nur den Bezug zum 21. Jahrhundert verloren, sondern auch zur Geschichte. Die Geschichte von Protestantismus und Politik im 19. Und 20. Jahrhundert ist durch das komplexe und belastete Verhältnis zur Nation geprägt. Im kaiserlichen Deutschland setzte der Nationalprotestantismus einen radikalen, politischen Ton, im Ersten Weltkrieg formulierte er die Siegespolitik mit und in der Weimarer Republik öffnete er weite Teile der deutschen Bevölkerung für den Nationalsozialismus. Und genau für diese Traditionslinie ist die Garnisonkirche, vor allem ihr Turm, ein zur Ikone gewordenes Symbol. Da helfen auch keine auf Frieden ausgerichtete Füße. Helfen würden Taten, Umkehr und Diskurs.

    Doch selbst diesen will Altbischof Huber nicht wirklich: Er bekundet zwar, dass er die Recherchen der Projektgegner*innen (die alle ehrenamtlich tätig sind) positiv sehe. Aber zeitgleich rief er die Kritiker*innen auf, zurückhaltender zu debattieren. Die Art der Diskussion sei „spendenabschreckend“.

    Lieber Herr Huber, das ist unsere Absicht gewesen und bleibt sie auch. Wir hoffen auch, dass die neue Bundesregierung den Geldhahn endlich zudreht. Denn zu einem öffentlich finanzierten Projekt muss es auch eine breite öffentliche Debatte geben. Auch die Historikerin Agnieszka Pufelska empfahl, anstelle der Kirche ein kritisches Museum des preußischen Militarismus zu schaffen. Dies würde der Stadt und der Gesellschaft mehr bringen als ein weiterer Musiksaal in der Hülle des Kirchenschiffes, wie es sich Mitteschön und Architekturkopist Albrecht erhoffen.

    [1] Beitrag über die Tagung ‚Gott mit uns – das schwierige Erbe des Nationalprotestantismus‘ im DLF nach 20.10 auf dem Sendeplatz ‚Aus Kultur und Sozialwissenschaften‘ gesendet.

    https://www.deutschlandfunk.de/aus-kultur-und-sozialwissenschaften.1147.de.html

    [2] www.die-kirche.de/nr.40/10.Oktober2021 FOKUS Seite 3

    http://www.die-kirche.de/nr.40/10.Oktober2021%20FOKUS%20Seite%203

    [3] MAZ-online vom 11.10.2021

    https://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Garnisonkirche-Potsdam-Ein-Rundgang-mit-Architekt-Thomas-Albrecht-ueber-die-Baustelle
  • „Friedensgarnisonkirche? – Über den Zusammenhang von Religion und Militär“

    Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg lädt zu einem antimilitaristischen Stadtrundgang, Vortrag und Diskussion über den Zusammenhang von Religion und Militär ins Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum ein. Die zweiteilige Veranstaltung findet in Kooperation mit dem alternativen Lernort-Garnisonkirche statt.

    Die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtete Garnisonkirche war bis zu ihrer Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkriegs die wichtigste Militärkirche in Deutschland. Direkt nach der Wende begannen prominente Persönlichkeiten, ihren Wiederaufbau zu forcieren. Als sich dagegen Widerstand erhob, kam der widersprüchliche Gedanke auf, die Garnisonkirche zwar als ruhmreiche Haus- und Hofkirche der Hohenzollernmonarchie wiederzuerrichten, sie gleichzeitig aber zu einer Friedenskirche und einem demokratischen Versöhnungsort zu erklären. Blickt man in der Geschichte zurück, wurden ausnahmslos alle Kriege, für die in der Garnisonkirche gepredigt und gebetet wurde, mit dem Argument des Friedens begründet.
    Der Diskussionsabend nimmt die letztes Jahr erfolgte Zusicherung einer Spende aus dem Wehretat des Verteidigungsministeriums in Höhe von 350.000 Euro zum Anlass, um über das Verhältnis von Religion und Militär nachzudenken.

    Donnerstag, 7. Oktober 2021, 17:30 bis 21 Uhr
    Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum, Dortustraße 46, 14467 Potsdam

    17:30 Uhr: Antimilitaristische Stadtführung durch Potsdams Innenstadt mit Carsten Linke (Verein zur Förderung antimilitaristischer Tradition), Treffpunkt: Vor dem Rechenzentrum
    19:30 Uhr: „Friedensgarnisonkirche? Über den Zusammenhang von Religion und Militär“
    Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Horst Junginger (Religionswissenschaftler an der Universität Leipzig; Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Lernortes),
    Moderation: Carsten Linke
    Im Anschluss Gespräche rund um den Lernort Garnisonkirche

    Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen bitte an: info@bbg-rls.de<mailto:info@bbg-rls.de> oder 0331-8170432

  • Gott mit uns – das schwierige Erbe…

    Koppelschloss im 1. Weltkrieg

    Die Potsdamer Garnisonkirche, deren Kirchturm gegenwärtig wieder aufgebaut wird, steht nach Ansicht der Bauherr*innen für „christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft, für die Verbindung von christlichem Glauben und ‚preußischen Tugenden.‘“ Was ist damit gemeint? Und ist die Begründung für die Wiedererrichtung der Garnisonkirche als nationaler Erinnerungsort der Bundesrepublik Deutschland überzeugend? Das Symposium „Gott mit uns – das schwierige Erbe des Nationalprotestantismus“ will die Frage nach dem Zusammenhang von Nationalismus und Protestantismus erörtern. Kann der „Mythos Preußen“ auch unter demokratischen Bedingungen eine Rolle spielen und inwieweit kommt in ihm nationalprotestantisches Gedankengut zum Tragen?

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  • Die Hohenzollern und die Nazis

    Wir preußenkritischen Bürger*innen dieser ehemaligen Hof- und Militärstadt freuen uns, das Erscheinen von Stephan Malinowskis Buch „Die Hohenzollern und die Nazis“ auch hier anzukündigen zu können. Denn Lesen bildet und verhindert Ausreden wie „das habe ich nicht gewusst.“ Gleichzeitig möchten wir Sie/Euch auf den Live-Stream der Buchvorstellung hinweisen.

    Malinowski lehrt seit 2012 Europäische Geschichte an der University of Edinburgh. Er ist auch Buchautor. Nach „Vom König zum Führer“ erscheint nun „Die Hohenzollern und die Nazis“. Dieses Buch wird ein weiteres Puzzlestück für das Gesamtbild zur historischen Rolle der Hohenzollern liefern, die die Stadt prägten und heute wieder prägen wollen. Mehr dazu auf unseren Seiten unter dem Schlagwort „Sorgenprinz“.

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  • Rechtes Symbol unter Denkmalschutz

    Neues Gutachten und Fachaufsichtsbeschwerde zum Potsdamer Glockenspiel

    Vortragsfolie zum Spendenaufkommen für das Glockenspiel

    Heute stellten Prof. Phillip Oswalt und Carsten Linke in einer Pressekonferenz am alternativen Lernort-Garnisonkirche im Rechenzentrum das neue Gutachten zum Potsdamer Glockenspiel vor. Gleichzeitig erläuterte Herr Oswalt, der gemeinsam mit dem Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Micha Brumlik eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der Kulturministerin gegenüber dem Landesdenkmalamt eingereicht hat, die Beweggründe für dieses Verfahren.

    Wir dokumentieren die Pressemitteilung:

    Die Form der kürzlich erfolgten denkmalpflegerischen Unterschutzstellung des Glockenspiels auf der Plantage ist ein weiterer Schritt eines seit 30 Jahren fortgesetzten kollektiven Versagens der Potsdamer (Stadt-)Gesellschaft bei der notwendigen Abgrenzung von extremistischen Kräften am rechten Rand. Das Objekt ist nicht nur das erste unter Schutz gestellte Objekt der „Neuen Rechten“, es ist auch Symbol des „Potsdamer Handschlags“, des Schulterschlusses von erheblichen Teilen der Gesellschaft mit Gruppierungen am rechten Rand.

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  • RZ 4ever – Solidarisches Miteinander

    Mehr als 500 Menschen waren heute trotz des regnerischen Wetters auf der Straße um für ein „Potsdam MIT Rechenzentrum“ zu demonstrieren.

    Zahlreiche Redebeiträge machten die bauliche wie politische Situation rund um das RZ deutlich.

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  • RZ 4ever – Demo Mi.15.09.21

    Auch wir rufen auf zur Demonstration FÜR EIN POTSDAM MIT RECHENZENTRUM!

    Das Rechenzentrum, ein städtischer Ort der Kultur, Kunst und Begegnung, den Hunderte von Menschen, Gruppen und Initiativen intensiv und divers nutzen, ist nach wie vor vom Abriss bedroht – und das völlig ohne Not!

    Mehr dazu unter Demo: Für ein Potsdam mit Rechenzentrum | Rechenzentrum Potsdam (rz-potsdam.de)

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  • Rechenschwäche bei der Stiftung GK

    Die Einen feiern 50. und 6. Geburtstag des Rechenzentrums und die Nachbarin hat es nicht so mit den Zahlen. Rechenschwäche bezeichnet umgangssprachlich die Dyskalkulie. Dies klingt nach „nicht kalkulieren können“.

    In einem Vortrag am 4. Sept.21 hat Martin Vogel – der theologische Vorstand der Stiftung GK – vor kleinem und hochbetagtem Publikum in der Wissenschaftsetage über das leidige Thema Garnisonkirche geplaudert. Es gab nichts Neues und wie immer wenig Konkretes. Es stellte sich eher die Frage, wieso lässt ProWissen Potsdame.V. derartig subjektiv geprägte Allgemeinplätze in seinen Räumen zu? Wollten die nicht den Wissenschaftsstandort Potsdam puschen? Doch wie immer wollen wir uns mehr mit den Inhalten, statt mit den Oberflächlichkeiten beschäftigen. Drei Dingen fielen uns auf:

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  • Das sind die wichtigen gesellschaftlichen Fragen in Potsdam!

    Bisher scheint es fast so, als ob der Wahlkampf nicht nur in Potsdam völlig an der Realität der tatsächlichen Probleme vorbei geht.
    Da wird über mögliche Fehler in Lebensläufen diskutiert, die alte „Rote Socken“ – Kampagne wieder rausgeholt oder eine gendergerechte Sprache zum Untergang der Kultur stilisiert. Bei den meisten Kandidat*innen gilt: Wer sich am wenigsten bewegt, weniger öffentlich wahrnehmbare Fehler macht, gewinnt.

    Das in Potsdam nun auch noch zwei der drei Spitzenkandidat*innen als Direktkandidat*innen gegeneinander antreten, macht das nicht leichter. Im Grunde haben sie von den wichtigen Fragen und Problemen hier kaum eine Ahnung und geben meist nur ihr Wahlprogramm wieder. Beim MAZ – Talk priesen sie ernsthaft die längst gescheiterte Mietpreisbremse und die unsinnige Phrase „Bauen, bauen, bauen“ als Lösung der Mietenproblematik in Potsdam an.

    Jetzt greifen in Potsdam aber endlich die sozialen Bewegungen in den Wahlkampf ein!

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