Schlagwort: BKM

  • Strafanzeige gegen die GK-Stiftung gestellt

    Der antimilitaristische Förderverein der Stadt Potsdam hat bei der Staatsanwaltschaft Potsdam Strafanzeige gegen den Vorstand der Stiftung Garnisonkirche und Ex-Bischof Huber in seiner Funktion als Kuratoriumsvorsitzenden gestellt.

    Zeitgleich erhebt der Verein eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wegen des Bescheides vom 17. Juni 2022 mit welchem der „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“ (SGP) eine Förderung i.H.v. 4,5 Millionen Euro bewilligt wurde.

    Die Strafanzeige basiert auf § 263 Strafgesetzbuch, der die Vorspiegelung falscher Tatsachen oder die Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen, um sich rechtswidrig Vermögensvorteil zu verschaffen, unter Strafe stellt. Der antimilitaristische Förderverein sieht in den Täuschungshandlungen der SGP einen vollendeten Betrug in Sinne des Strafgesetzbuches. Die beschuldigten Personen tätigten wiederholt unzutreffende und widersprüchliche Angaben, um Fördermittel zu erlangen, wobei auch gegen Regelungen des Wettbewerbsrechtes verstoßen wurde.

    In der Strafanzeige wird gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die BKM zum Sachverhalt Beihilfe geleistet hat, indem sie unzureichend die Angaben der Antragstellerin geprüft und bestehende Haushalts- und Förderregeln missachtet hat.

    Hier die PM des Vereins:

    Hier die Strafanzeige und die Fachaufsichtsbeschwerde:

    OW/CL

  • Offener Brief an die BKM

    Wir dokumentieren einen Brief des Landesvorstandes des VVN-BdA Brandenburg (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. Land Brandenburg) an Claudia Roth als Bundesbeauftragte für Kultur und Medien.

    Betr.: Förderung des Aufbaus der Potsdamer Garnisonkirche

    Sehr geehrte Claudia Roth,

    zunächst einmal möchten wir Ihnen herzlich zu Ihrer Bestellung als Staatsministerin gratulieren. Dass Sie dieses Amt symbolisch in der Gedenkstätte Buchenwald angetreten haben, hat uns sehr gefreut. Wir sehen darin eine wichtige Positionierung für eine Stärkung der NS-Gedenkstätten innerhalb der Gedenk- und Erinnerungspolitik des Bundes.

    Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit haben Sie eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen zu treffen, nämlich, ob der Wiederaufbau des Turmes der Potsdamer Garnisonkirche weiter aus Mitteln der Kulturförderung des Bundes finanziert werden soll.

    Mit einer Entscheidung für die Ausgabe der im Bundeshaushalt enthaltenen Mittel – nach unseren Informationen sind im Etat 2022 4,5 Millionen Euro für den Bau des Turmes enthalten – würden Sie die Weichen dafür stellen, dass der Bund in die Mehrbedarfsfinanzierung einsteigt. In diesem Fall müssten in den nächsten Jahren regelmäßig neue Millionenprojekte in diesen Turmbau und später in den Betrieb gesteckt werden.


    Wir halten das aber nicht nur deshalb für problematisch, weil dieses Aufbauprojekt durch die inzwischen auch vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel initiiert wurde, weil das in Potsdam aufgestellte Glockenspiel bis heute die Namen von rechten Traditions- und Wehrmachtsverbänden trägt und weil der Turm bereits heute als Symbol der Neuen Rechten gilt. Millionenbeträge, die in den Aufbau dieses Kirchturms gesteckt werden, werden damit auch anderen Kulturvorhaben und Gedenkorten entzogen.

    Aus unserer Sicht muss sich die Praxis der Fördermittelvergabe im Bereich der Gedenkpolitik daran messen lassen, ob die begrenzten Mittel tatsächlich für die Erinnerungsorte bereitgestellt werden, die über das größte bildungs- und kulturpolitische
    Potenzial verfügen.

    Bereits am 11.02.2010 kritisierte der Landesvorstand der VVN-BdA die geplante Subventionierung des Aufbaus der Potsdamer Garnisonkirche aus Geldern der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel). Diese Gelder waren für die Umsetzung von wichtigen Gedenk- und Geschichtsprojekten in den östlichen Bundesländern bestimmt. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gab von den insgesamt 3,55 Millionen Euro, die für Brandenburg zur Verfügung standen, gleich zwei Millionen Euro für den Wiederaufbau der Garnisonkirche aus. Aus diesen Mitteln wurde u.a.
    die temporäre Kapelle gebaut.


    Die in dem Garnisonkirchenprojekt verbauten Mittel wurden zugleich dem Geschichtspark Klinkerwerk entzogen. Dieser Gedenkort erhielt nur einen Rest von 220.000 Euro aus den PMO-Mitteln. Der geplante Geschichtspark Klinkerwerk konnte daher bis heute nicht einmal ansatzweise umgesetzt werden. Das zur Verfügung stehende Geld reichte einfach nur für
    einige Informationstafeln und die Schaffung eines Ortes für Gedenkveranstaltungen.

    Das Außenlager Klinkerwerk war das größte Vernichtungskommando des KZ Sachsenhausen. An diesem Ort wurden Ziegel für die Phantasien vom Aufbau der „Welthauptstadt Germania“ hergestellt und das nationalsozialistische Programm
    „Vernichtung durch Arbeit“ vollzogen. Auf dem ehemaligen Lagergelände liegen bis heute die Leichen der Menschen, die bei der Bombardierung des Klinkerwerkes kurz vor Kriegsende umkamen und danach notdürftig in Bombentrichtern verscharrt wurden. Für eine Beräumung der Munition und die Schaffung des geplanten Wegenetzes mit Aussichtspunkt und
    Informationsangeboten fehlte einfach das Geld, das stattdessen in die Garnisonkirche gesteckt wurde.

    2009 forderte der Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Pierre Gouffault, in einer bewegenden Rede anlässlich der Befreiungsfeierlichkeiten des Lagers vom damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck einen würdigen Umgang mit diesem Ort.


    Wir halten es aus historischen und politischen Gründen für angebracht, die Förderung des Garnisonkirchturmes einzustellen und die Gelder stattdessen für die Umsetzung des Geschichtsparkes Klinkerwerk und für die Erschließung anderer Erinnerungs- und Lernorte zur NS-Geschichte auszuzahlen.

    Wenn Ihr Zeitplan eine gemeinsame Ortsbesichtigung zum Projekt Geschichtspark Klinkerwerk erlaubt, stehen wir dafür gern zur Verfügung.


    Mit antifaschistischen Grüßen

    Wolfram Wetzig und Lutz Boede

    Hier der Brief im Download

  • Millionengrab Garnisonkirche – Stiftung mit Rechenschwäche – Turmbetrieb defizitär

    Nach dem vor kurzem veröffentlichten Prüfbericht des Bundesrechnungshofes bzgl. der öffentlichen Förderung der Stiftung Garnisonkirche liegt die öffentliche Aufmerksamkeit auf der rechtswidrigen Investitionsförderung und dem steten Mangel an Spendeneinnahmen. Die akute Finanzierungslücke beim Turmbau ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Ein zentrales Kernproblem des Projekts ist der dauerhaft defizitäre Betrieb. Beide Probleme stehen im Zusammenhang mit dem Eigenverbrauch der Stiftung, die sich aufgrund fehlenden Eigenkapitals nicht selbst tragen kann. In dieser Hinsicht ist nicht nur der Umgang mit öffentlichen Fördermitteln, sondern auch der Umgang mit den Spenden fragwürdig.

    Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Recherchepapiers „Förderprobleme beim Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche“ nimmt das Rechercheteam Lernort Garnisonkirche die Spendenlüge der Stiftung Garnisonkirche sowie deren defizitären Betrieb in den Fokus. Anhand der verfügbaren öffentlich zugänglichen Informationen wurden die verschiedenen Angaben der Stiftung zu ihren Spendeneinnahmen ausgewertet. Des Weiteren wurde auf Basis der vorhandenen Kalkulationen zum zukünftigen Turmbetrieb von 2005 und 2016 eine eigene Modellrechnung erstellt, unter Berücksichtigung der unvermeidlichen Kosten der geplanten Nutzung.

    Der vorliegende Bericht zeigt auf, wie von der Stiftungsgründung bis heute durch Zweckentfremdung von Spenden und fingierte Kalkulationen das strukturelle Finanzproblem der Stiftung strategisch vertuscht wurde, um Drittmittel einzuwerben und den Bau voranzutreiben. Langfristig kommt diese Taktik jedoch an ihre Grenzen. Die Modellrechnung des Rechercheteams offenbart ein jährliches Defizit von knapp einer Million Euro beim geplanten Turmbetrieb.

    Die Recherchen zeichnen ein erschreckendes Bild eines skrupellosen Elitenprojekts, das von Anfang an jeglicher rechtlichen, finanziellen und moralischen Grundlage entbehrte und die Risiken seiner grenzenlosen Hybris auf die Allgemeinheit abwälzte.

    Hier der neu erarbeitete Bericht des Rechercheteams:

    Hier die grafische Aufbereitung der Ergebnisse: Planungen im Vergleich

    Und nachstehend ist auch der Vergleich der Betriebsaufwendungen im Detail separat einsehbar:

    FAZIT: Aktuell verbraucht die Stiftung ein halbe Million Euro für sich selbst, denn das Defizit von über 500.000 €/a entsteht nicht durch den Bau, sondern durch die damit verbundenen „Nebenkosten“ wie Gehälter und Gemeindebetrieb (Nagelkreuzkapelle). Die Stiftung „missbraucht“ Spendengelder für den Wiederaufbau für die eigene finanzielle Absicherung. Sie zehrt damit die Investitionsmittel auf und schreit dann nach weiterer Subventionierung durch den Staat.

    Wenn der Turm fertig wird und wie geplant nutzbar ist, dann ERHÖHT sich das jährliche Defizit auf rund 1 Mio. € pro Betriebsjahr!

    Daraus kann nur folgen: Baustopp, alle „Karten“ auf den Tisch und auf keinen Fall weiter in die Höhe bauen, da somit die jährlichen Kosten und Defizite steigen werden. Der Stadt kann nur geraten werden: Hände weg vom Turm, raus aus der Stiftung und Grundstück zurückfordern, denn auch eine Stiftung kann insolvent gehen!

    Das Rechercheteam des alternativen Lernorts erhebt folgende Forderungen:

    1. Die Offenlegung der Finanzen von Fördergesellschaft und Stiftung. Die Darlegung aller Spendeneinnahmen und deren Verwendung.
    2. Eine seriöse Berechnung der Betriebskosten durch eine unabhängige Expert:in.
    3. Die sofortige Beendigung der öffentlichen Förderung, die nur auf rechtswidrigem Wege zustande gekommen ist und – falls rechtlich möglich – die Rückforderung der unrechtmäßig erhaltenen Fördermittel.
    4. Da jedes Weiterbauen die Folgekosten für Gebäudebetrieb und-instandhaltung erhöht, sollte kein Weiterbau über die 2017 zwischen Stiftung und BKM vereinbarten Grundvariante hinaus erfolgen.
    5. Die Inpflichtnahme der EKBO, die die Verantwortung für das Projekt trägt. Der Staat hat lediglich ein kirchliches Projekt bezuschusst und trägt für dessen Gelingen oder Scheitern letztendlich nicht die Verantwortung.

  • Finanzierungs- und Förderprobleme beim Bau der Garnisonkirche

    In der seit mehr als drei Jahrzehnten andauernden Kontroverse um den Wiederaufbau der Garnisonkirche stehen die inhaltlichen Fragen im Zentrum, jedoch sind auch Aspekte der Finanzierung immer wieder Teil der Auseinandersetzung. Die mangelhafte gesellschaftliche und demokratische Legitimierung des Projektes schlägt sich in seinen fortgesetzten Finanzierungsproblemen nieder. Das geringe Spendenaufkommen, fehlende Transparenz, widersprüchliche Angaben, anhaltende Finanzierungslücken und steigende Baukosten werfen dabei nicht nur politische, sondern auch haushalts- und förderrechtliche Fragen auf.

    (mehr …)
  • Zensur statt Versöhnung

    Die Bundesstiftung Flucht-Vertreibung-Versöhnung hat scheinbar ein Problem mit der Kausalität von Krieg und Vertreibung und mit der allgegenwärtigen Vereinnahmung der Neuen Rechten für die national bedeutsamen Projekte. Vieles erinnert an die Stiftung Garnisonkirche. Beide Stiftungen hängen strukturell oder finanziell am Tropf der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters (BKM). Beide Stiftungen zensieren künstlerische Arbeiten um sich der inhaltlichen Debatte zu entziehen.

    (mehr …)
  • Garnisonkirchenfinanzierung auf dem Prüfstand

    Eine Anfrage eines Potsdamer Bürgers bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) ergab, dass nicht nur das Kulturressort den königlich-preußischen Kitsch fördert, sondern auch das Verteidigungsministerium die militaristische Kultstätte sponsern will. Eine seltsame Mischung. So erscheint der alte Begriff „Hof- und Garnisonkirche“ in einem völlig neuen – passendem – Bild.

    Zahlreiche Finanzierungsteile beim Wiederaufbauprojekt von nationalistischer Bedeutung werfen Fragen auf. Laut BKM-Antwort prüft der Bundesrechnungshof seit April 2020 die Vorgänge!

    (mehr …)
  • Keine Kehrtwende? Keine Klarheit!

    Es geht um die Attrappe der Garnisonkirche Potsdam, längst vorhersehbare Kostensteigerungen, ihre Finanzierung und viel mehr…

    Wir dokumentieren hier den Briefwechsel zwischen Frau Krieg von der BI Potsdam ohne Garnisonkirche und Frau Grütters als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (hier vertreten durch Herrn Stürzebecher).

    Der Briefwechsel legt Denk- und Arbeitsweisen offen. Er deckt aber auch eine fragwürdige Förderpraxis und Defizite seitens der Geldgeber auf. Die Verschenkung von Steuergeldern gerät an die Grenzen der Legalität. Verantwortung wird solange aufgeteilt, bis sich niemand mehr für das Gesamtprojekt verantwortlich fühlt. Während viele Kunst- und Medienschaffende und Kultureinrichtungen gerade 2020 ihr finanzielles Desaster erlebten, wird seitens der Bundesbeauftragten nahezu unkontrolliert und ohne gesellschaftliche Rechtfertigung Geld mit vollen Händen an Bauträger*innen verschenkt. Auch nach Potsdam.

    (mehr …)