Schlagwort: Bodenpolitik

  • Kaum Fortschritt – nirgendwo

    „Kaum Fortschritte bei der Bodenpolitik“ titelte die PNN kürzlich und berichtet darüber, dass die Stadt Potsdam bisher noch kein einziges Grundstück für den Wohnungbau erworben hat.

    Uns liegen inzwischen die entsprechenden Dokumente der Stadtverwaltung vor. Sie beruhen auf einer Anfrage der Stadtverordneten Frau Günther/ Die Linke, welche gleichzeitig im Netzwerk „Stadt für alle“ aktiv ist.

    Zuerst ist hier der Auszug aus der Begründung zur Haushaltssatzung 2020/21

    „Die aktive Liegenschaftsstrategie, u. a. in Form von Grundstücksankäufen, erscheint insbesondere unter Berücksichtigung des dauerhaft dynamischen Wachstums der Landeshauptstadt Potsdam, der sich verknappenden Bau-, Gewerbe-, Wohn- und Infrastrukturflächen als ein unverzichtbares Instrumentarium der LHP für die Stadtentwicklung, für die rechtzeitige Bereitstellung von sozialer und technischer Infrastruktur und zur Bekämpfung des Wohnungsmangels sowie zur Sicherung bezahlbarer Mieten. Um bezahlbares Wohnen dauerhaft zu unterstützen, ist es erforderlich, den geringen, frei verfügbaren Flächenbestand der Landeshauptstadt Potsdam adäquat und dauerhaft zu untersuchen (Portfolioanalyse) und ggf. für die Belange der Stadt zu sichern. Diese können sodann für die verschiedene Zwecke unter Ausrichtung der strategischen Themenfelder für kommunale Aufgaben genutzt werden. Neben der klassischen Versorgung mit sozialer und technischer Infrastruktur (Kindertageseinrichtungen, Feuerwehr, etc.) können diese auch für die Nutzung als Wohnbaufläche vorgehalten werden. Für die aktive Liegenschaftspolitik werden mit dem Entwurf zum Doppelhaushalt 2020/2021 9,26 Millionen Euro für die Jahr 2020 – 2024 im Investitionsprogramm vorgesehen.“

    Auf Nachfrage hat die Stadt nun öffentlich gemacht, wofür sie das ohnehin geringe Geld bisher ausgegeben hat:
    „ Bislang wurden aus diesem Budget der Erwerb einer Immobilie in Golm für die Wirtschaftsförderung, ein Grundstück für die Erweiterung der Schul- und Hortflächen der Hanna-von-Pestalozza-Grundschule in Groß Glienicke, der Erwerb einer Deponiefläche in Golm sowie der Erwerb von Arrondierungsflächen für verschiedene Kleingartenanlagen auf dem Gebiet der LHP finanziert.“

    Hier die komplette Antwort.

    … eine Deponie und ein Wirtschaftsgebäude, statt bezahlbare Wohnungen.

    Es ist und bleibt ein Trauerspiel.

    Die oben genannten Schlagzeilen lassen sich ja problemlos fortführen:

    „Milieuschutz für RAW-Wohnumfeld erst ab 2023“ – PNN 27.10.2022
    „Magere Bilanz von Potsdams Baulandmodell – In fünf Jahren keine Sozialwohnung“ – PNN 18.04.2022
    „Potsdam fehlt Personal im Kampf gegen Zweckentfremdung von Wohnraum“ – MAZ 31.01.2022

    Wer wundert sich dann noch über das erfolgreiche Bürgerbegehren für einen Mietendeckel?

  • Genugtuung – mit vielen Bauchschmerzen

    Die Stadt Potsdam ändert ihre Richtlinie zur Grundstücksvergabe.

    Was für eine Nachricht.

    Nach 30 Jahren Privatisierung und Verkauf des städtischen Tafelsilbers an den jeweils höchstbietenden Investor will die Stadt Grundstücke nun nur noch nach Konzept, für bezahlbaren Wohnraum, vor allem an gemeinwohlorientierte Bauherren und am besten nach Erbbaurecht veräußern.

    Die Nachrichten dazu lesen sich wie ein Traum.

    Was stadtpolitische Aktivist*innen seit vielen Jahren fordern, scheint nun endlich Realität zu werden.

    Deshalb können wir natürlich ein klein wenig Genugtuung und stolz empfinden. Wir waren es, welche diese Instrumente einer anderen Boden – und Wohnungspolitik immer wieder eingefordert haben. Wir haben diese Werkstattverfahren erzwungen und geprägt. Wir haben immer neue Konzepte, offene Briefe und Stellungnahmen formuliert – auch hier auf diesem Blog.

    Erst im Herbst letzten Jahres haben wir viele der jetzt vorgestellten Konzepte in der Broschüre „Was tun gegen den Mietenwahnsinn in Potsdam?“ ausführlich analysiert, rechtliche Grundlagen dargestellt, Beispiele aus anderen Städten erzählt und festgestellt, was Potsdam bis dahin getan hatte – nichts.

    Nun sind wir endlich auf dem (richtigen?) Weg.

    Trotzdem fühlt sich das auch komisch an.
    Nein, es geht nicht um Urheberschaft, hier ist tatsächlich das Ziel wichtig und nicht der Weg.

    Aber der Blick zurück ist eben auch ein Blick auf einen politischen Prozess, der oft genug von Ignoranz, von Abwehr und Bunkermentalität geprägt war. Wie oft wurde uns gesagt, dass in Potsdam alles toll läuft in der Boden – und Wohnungspolitik, wie oft wurde verächtlich nach Berlin und in andere Städte geschaut, wenn diese das Höchstgebotsverfahren längst in die Schubladen gesteckt hatten, Grundstücke nach Erbbaurecht vergaben, den Verkauf städtischer Grundstücke ganz untersagten oder nichtkommerzielle Bauträger wie das Syndikat förderten. Brauchen wir alles nicht in Potsdam – so der Tenor noch in den vielen Werkstattgesprächen oder beim Forschungsprojekt zum gemeinschaftlichen Wohnen, bei Diskussionsrunden von Stadtspuren und Stadtforum.
    Wir fühlten uns da fast immer wie Außerirdische, die auf einem fremden Planeten gelandet waren und mit eben den jetzt auf den Weg gebrachten Vorschlägen nur Kopfschütteln ernteten. Viele Jahre war der Lerneffekt aus den vielen positiven Beispielen aus München, Münster, Ulm gleich null. Noch vor rund einem Jahr haben wir bei einem Werkstattgespräch vergeblich versucht, den Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, Herrn Heuer das Modell einer Erbbaurechtsvergabe zu erklären – er wollte nicht hören. Und die kommunale Gesellschaft hat uns gefühlt 10 x ihr Projekt Konvoi als nichtkommerzielles Wohngemeinschaftsprojekt verkauft – allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz.

    Nun ist alles anders.

    Was jahrelang als Sakrileg galt ist jetzt richtig.

    Alles gut also?

    Natürlich nicht.

    Vor allem, weil die neuen Richtlinien in der durchprivatisierten Stadt Potsdam eigentlich gar nicht mehr anwendbar sind.
    Es gibt schlicht keine städtischen Grundstücke mehr, höchstens einige Garagenkomplexe wie auch MAZ und PNN konstatieren müssen. 30 Jahre Verkauf und Privatisierung nach Höchstgebot haben nichts übrig gelassen.

    Deshalb ist der Blick nach vorn überhaupt nicht rosig.

    Im Grunde bedarf eine wirklich neue, aktive Bodenpolitik eines massiven Wiedererwerbs von Grundstücken. Der sogenannte Zwischenerwerb ist für eine Fläche in Marquart ja schon mal angekündigt.
    Aber gleichzeitig ist es völlig illusorisch, in den nächsten Jahre Grundstücke in Größenordnungen zurück zu kaufen, um dort die neue Wohnungs – und Bodenpolitik umzusetzen. Bei den Grundstückspreisen, die – natürlich im Ergebnis der bisherigen Praxis der Stadtpolitik! – inzwischen in Potsdam aufgerufen werden sind die Mittel, welche die Stadt für den sogenannten Zwischenerwerb oder Bodenbevorratung im Haushalt bereit stellt nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

    Auch die Rolle der kommunalen Gesellschaft ProPotsdam macht uns eher Bauchschmerzen. Wenn die Stadt zukünftig ihre eigene Gesellschaft in der Prioritätenliste beim Erwerb ganz nach oben setzt kann das nur funktionieren, wenn sich deren Geschäftsmodell grundlegend ändert. Bisher aber agiert die ProPotsdam wie eine private Immobiliengesellschaft und ist rechtlich genauso aufgestellt. Es macht überhaupt keinen Sinn, städtische Grundstücke der ProPotsdam zu übertragen, wenn die diese dann wieder auf Immobilienmessen wie in München privaten Investoren anbietet oder neben den anvisierten Anteil mietpreisgedämpften Wohnungen teure Mietwohnungen baut. Ohne eine Umwandlung der ProPotsdam in eine gemeinnützige Wohnungsgesellschaft wird sich nicht viel ändern.

    Auch sonst bleibt in der Umsetzung Vieles offen.
    Wie hoch werden die Erbbauzinsen angesetzt? Nach Marktlage, wie das Stadtverwaltung und SPD gern wollen oder nach Vorbildern aus Berlin und München orientiert am Liegenschaftszins und der gemeinwohlorientierten Nutzung?
    Wie werden andere nichtkommerzielle Bauträger einbezogen, wie definiert die Stadt diese Zielgruppe? Bisher ist die Kommunikation in Richtung solcher Projektträger wie dem Mietshäusersyndikat bei der Entwicklung neuer Quartiere – gleich null.

    Und nicht zuletzt fehlt eine Komponente völlig.
    Der Schutz von Mieter*innen im Bestand ist weiter ganz weit entfernt von den Möglichkeiten, welche der Gesetzgeber bietet. Hier ist die nächste Baustelle, wo die Stadt Potsdam sehr gern von uns und anderen Städten lernen kann.

    Deshalb bleibt wohl nur ein Fazit:
    Wir dürfen uns mal kurz auf die Schulter klopfen und durchatmen – und dann geht der Kampf um eine soziale Wohnungs – und Mietenpolitik weiter.

  • In Potsdam nichts Neues

    … bei Vorkaufsrecht, Konzeptvergabe, Rekommunalisierung und Erbbaurecht

    Überall diskutieren KommunalpolitikerInnen, BürgerInnen, MieterInneninitiativen, wie man den Mietenanstieg in den Städten begrenzen könnte, wie den Renditeerwartungen von Immobilieninvestoren zu begegnen ist.

    Nur in Potsdam nicht.

    Überall überlegen KommunalpolitikerInnen, BürgerInnen, MieterInneninitiativen, welche Möglichkeiten Rekommunalisierung von Wohnungen, Milieuschutz, Erbbaurecht oder Vorkaufsrecht bieten können.

    Nur in Potsdam nicht.

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  • Bitte endlich neu entscheiden!

    Das „Höchstpreisverfahren“ in Potsdam

    Am Mittwoch, den 5. Dezember 2018 findet in Potsdam die letzte SVV des Jahres statt – und die erste für den neuen Oberbürgermeister.
    Und es ist eine Stadtverordnetenversammlung, wo alle Angeordneten beweisen können, wie ernst es ihnen mit ihren öffentlichen Aussagen und Wahlkampfversprechen ist: Das Verfahren zum Verkauf kommunaler Flächen und Immobilien steht zur Abstimmung.
    Damit alle noch einmal wissen, was ihre reale Beschlusslage ist, wollen wir die hier noch einmal dokumentieren:

    Leitlinie_Grundstuecksverkaeufe_Stand_112011

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  • Neues vom Wiener Modell

    5 € / m² Miete für eine neue Wohnung!

    Das sogenannte „Wiener Modell“ macht mal wieder Schlagzeilen.
    Aktuell sorgt eine neue Bauordnung für spannende Diskussionen. Hier wird für sogenannte „Gebiete für geförderten Wohnbau“ für zwei Drittel alles Wohnungen eine Miete von Netto höchstens 5 €/ m² festgeschrieben.

    Dies ergänzt das Modell Wiener Wohnungspolitik – übrigens mal erfunden von den östreichischen Sozialdemokraten – bezahlbaren, öffentlichen Wohnraum für die Mehrheit der Bevölkerung in der Hauptstadt des Landes zu gewährleisten.

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  • „Ein Großteil der Preissteigerungen hat nichts mit der realen Nachfrage nach Wohnraum zu tun.“

    … Anlageobjekt Stadt: Ein Interview und „alte“ Beiträge in „Hallo Potsdam“

    Im Tagesspiegel vom 16.10.2018 gab es ein bemerkenswertes Interview mit dem Architekten Markus Appenzeller zur Stadtentwicklung im Allgemeinen und zum Wohnungsmarkt als Anlageobjekt konkret.

    Hier ein paar Zitate, die mensch sehr leicht auch auf Potsdam anwenden kann:

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  • Das war der Gipfel!

    Ein Beitrag zum Wohngipfel in Berlin und „Gipfel“ in Potsdam

    Die Oberbürgermeisterwahl ist vorbei. Sie hat den vorhersehbaren Ausgang gebracht hat, wenn auch die Differenz von 10% ein Überraschungsmoment enthält. Es ist nun an der Zeit, den Blick vom politischen Personal, das zur Wahl stand, auf die Themen, die die Bürger*innen bewegen, zu lenken, z.B. Wohnen, Mieten, Bauen. Doch bevor wir jedoch einen Blick vorwärts richten, scheint es ratsam, zwei Blicke zurück in den Monat September werfen.

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