Ein Kommentar zum MAZ-Interview am Faschingsdienstag mit dem Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche: Wieland Eschenburg
Wenn die Stiftung mehr Sachlichkeit in der Debatte fordert, ist das entweder der letzte Karnevalsgag der Saison, ein Zeichen von Weltfremdheit oder späte Einsicht in die Notwendigkeit. Kaum einer Organisation wurde in den letzten Jahren von vielen Seiten mehr Scheinheiligkeit und Doppelzüngigkeit vorgeworfen, wie der Stiftung Garnisonkirche. Und das Interview zeigt wie Recht sie haben.
Gleich zweimal behauptet Eschenburg dass die Form dem Inhalt folgt. Das ist das komplette Gegenteil der bisherigen Aktivitäten! Erst kommt der Turmbau im Original und dann wird überlegt, was darin gezeigt wird. Bis heute gibt es kein wissenschaftliches Konzept für die geplanten Ausstellungsräume. Es wird Inhalt in eine Form gepresst. Es wird sogar behauptet, dass nur mit der Originalform eine sinnvolle inhaltliche Arbeit geleistet werden kann.
Wenn die Stiftung und ihr Kommunikator sich selbst ernst nehmen würden, dann müssten sie einen Baustopp für den Turm und nicht den millionsten Ziegel setzen und endlich den Inhalt des Vorhabens klären. Wollen sie weiter Geschichtsrevisionismus betreiben oder Teil der Aufklärung werden und mit der Vergangenheit brechen – auch sichtbar?
Die Stiftung definiert Sachlichkeit so: Wer uns und unser Bauvorhaben nicht kritisiert, der ist sachlich. Früher hieß das: Die Partei hat immer Recht. Zum Glück hat die Stiftung nicht die Macht der Partei von damals. Einen Baustopp zu fordern, um den Inhalt des Vorhabens zu klären, hat nichts damit zu tun, Baurecht nicht anzuerkennen. Das weiß Eschenburg genau, aber er weiß auch, wie Diffamierungen funktionieren.
Seine Verwunderung ist nur Show, wenn er sagt: „…Da gibt es eine Beschlusslage, dass kein städtisches Geld in das Projekt des Wiederaufbaus fließen soll, und gleichzeitig wollen einzelne Vertreter dieser Stadtpolitik maximalen Einfluss darauf, was dort gebaut werden muss. Das ist sehr speziell. Etwas mehr Sachlichkeit wäre da schon hilfreich.“ Die Stadt ist Teil der Stiftung! Leider. Zur Sachlichkeit gehört deshalb auch, dass die Stadt im Kuratorium mitreden will. Immerhin hat sie das Grundstück in die Stiftung eingebracht! Was ist für den Formalisten Eschenburg daran „speziell“? Oder darf nur der mitreden, der Geld mitbringt? Etwas mehr Sachlichkeit wäre da schon hilfreich, Herr Eschenburg!
Insgesamt macht das Interview die Borniertheit der Stiftung deutlich. Eschenburg verkündet lediglich: wir machen was wir wollen! Wir tun so, als würden wir mit euch im Dialog sein, aber was ihr da „draußen“ diskutiert, interessiert uns nicht. Irgendwann nehmen wir das Geld des Bundes, machen eine Machbarkeitsstudie und stellen im Ergebnis einen neuen Bauantrag. Was die Stadtpolitik derweil diskutiert tangiert unsere Entscheidung nur dann, wenn sie zum gleichen Ergebnis kommt wie wir: Kirchenschiff ja, Rechenzentrum nein!
Hier der Link zum unsachlichen Interview in der MAZ:
von DER LINKE
Schreibe einen Kommentar zu MATRO Antwort abbrechen